DAT Barometer Oktober 2026:
Schwerpunkt Werkstatt

Werkstätten im Spannungsfeld zwischen Investitionen und hohen Kosten

Kfz-Werk­stätten sind ein bedeutender Teil der Auto­mobil­branche – nicht nur, weil sie die Mobi­lität der Men­schen sicher­stellen, sondern weil sie mit ihrem Um­satz und ihrer Rolle als Arbeit­geber einen elementaren Wirt­schafts­faktor dar­stellen. Im Zuge der Trans­for­mation der Auto­mobil­branche hin zur Elektro­mobilität stehen marken­gebun­dene und freie Auto­werk­stätten vor großen Heraus­forderungen. 

Diese betreffen nicht nur die Büro­kratie, die hohen Energie­kosten und den Fach­kräfte­mangel, sondern auch die Investi­tionen z. B. in Werk­statt­technik, Aus­bildung der Mitarbeiter, Nutzung von KI und die Elektro­mobilität. Besonders letztere hat Auswir­kungen auf das Werk­statt­geschäft. Dies betrifft noch nicht alle Werk­stätten gleicher­maßen, aber immerhin die Hälfte der befragten Betriebe glaubt, dass durch die E-Mobilität Umsätze in den Werk­stätten fehlen werden. Gleich­zeitig müssen die Betriebe aber in die E Mobilität investieren, um bereit zu sein.

Was die Werk­stätten deutlich spüren, ist das veränderte, kosten­bewusste Kunden­ver­halten. Neben mehr Kosten­voran­schlägen, Preis­ver­handlungen oder gebrauchten Teilen fragen offenbar auch immer mehr Kunden nach Schwarz­arbeit – zumin­dest gab das etwa jede fünfte Werk­statt an. Für die Beschleu­nigung von Prozessen innerhalb der Werk­stätten spielt Künst­liche Intel­ligenz eine immer größere Rolle. Speziell im Bereich der Schaden­erfassung sehen die Werk­stätten bei der auto­matisierten Bilder­kennung, bei der Ein­gabe von Schäden in Kalkulations­systeme und auch bei auto­matisierten Vor­schlägen von Teilen auf Basis anderer Kalku­lationen große Poten­ziale.

Werkstätten erwarten überwiegend gleichbleibendes Niveau für 2027:

Etwas weniger als die Hälfte der befragten freien- und marken­gebundenen Werk­stätten sieht das kommende Jahr auf ähnlichem Niveau wie das aktuelle. Lediglich jeweils 12% beurteilen die Geschäfts­aussichten als besser oder deutlich besser. Der Rest rechnet mit einer leichten oder deutlich rück­läufigen Entwicklung. Wahr­scheinlich spiegelt sich darin wider, dass Werk­stätten sich selbst mit hohen Kosten und zahlreichen Heraus­forderungen (Fach­kräfte­mangel, hohe Inves­titionen in die Werkstatt­ausrüstung etc.) konfron­tiert sehen. Interessant in diesem Zusam­menhang: Während bei den Marken­betrieben 15% das nächste Jahr deutlich rück­läufig ein­schätzen, sind es bei den freien Betrieben nur 9%.

Investitionen bleiben zentrales Thema der Werkstätten:

Fragt man die Werkstätten nach ihrer Stimmungslage, so bekommt das Statement „Investitionen in Werkstatttechnik, E-Mobilität und Ausbildung der Mitarbeiter sind enorm“ mit 85% die höchste Zustimmung. Fast zwei Drittel ist der Meinung, dass der alternde Pkw-Bestand in Deutschland für eine weiterhin hohe Auslastung sorgen wird. Gleichzeitig gibt mehr als die Hälfte der Werkstätten aber auch an, dass sie derzeit noch kaum Reparaturaufträge bei E-Autos haben. Die Hälfte aller befragten Werkstätten glaubt zudem, dass ihnen Umsätze durch die Elektromobilität fehlen werden, z. B. durch das fehlende Ölgeschäft.

Kostenbewusstsein der Kunden prägt den Werkstattbesuch:

Die Kosten für Werk­statt­kunden sind in den vergangenen Jahren ange­stiegen. Damit einher geht ein verän­dertes Kunden­verhalten, was nahezu alle befragten Werk­stätten (92%) bestätigen. Drei Vier­tel davon berichten von häufi­geren Anfragen nach Kosten­voran­schlägen, 72% bestätigen, dass ihre Kunden nur noch das Nötigste reparieren lassen, und mehr als die Hälfte der Betriebe ver­zeich­nen einen Zuwachs bei Preis­verhandlungen seitens der Kunden. Unab­hängig davon berichtet etwas mehr als jede fünfte Werk­statt, dass ihre Kunden ver­mehrt nach Arbeiten ohne Rech­nung fragen – und damit aktiv nach Schwarz­arbeit fragen.

Große Mehrheit der Werkstätten sieht KI-Einsatz als vielversprechend an:

Auch in den Werk­stätten hält Künstliche Intel­ligenz in den verschie­densten Bereichen Ein­zug und bietet vor allem im Schaden­prozess Nutzen. So erfährt bei marken­gebun­denen und freien Werk­stätten konkret die Bilder­kennung oder Sprach­ein­gabe von Schäden die größte Zustim­mung (75% und 57%). Darauf folgt der Punkt „Kor­rektur­vor­schläge bei der Ein­gabe von Schäden“ mit 54% beziehungs­weise 50%. Insgesamt lässt sich fest­stellen, dass die Werk­stätten der KI-Verwen­dung eher positiv gegen­über gestimmt sind. Lediglich 15% der marken­gebun­denen und mit 26% etwas mehr der freien Betriebe beur­teilen alle zur Aus­wahl stehenden Optio­nen als nicht rele­vant.

Methodik

Das DAT Barometer ist eine Momentaufnahme aus primär-/sekundärspezifischen Automarkt-Daten. Für die Befragung der Werkstätten (Oktober 2026) wurde im Auftrag der DAT eine repräsentative Stichprobe von 413 Online-Interviews (CAWI) über TeleResearch im Zeitraum 21.09.–12.10.2026 durchgeführt.

Grundsätzliche Hinweise

Unter dem Namen „DAT Diesel-Barometer®“ wurde im April 2017 eine monatliche Online-Publikation der DAT ins Leben gerufen, um die Diskussion um den Diesel zu versachlichen. Gemäß dem Auftrag der DAT, als neutrale Instanz die Daten der Automobil­branche zu sammeln, anzureichern und diese wieder strukturiert dem Markt zur Verfügung zu stellen, konnte eine umfangreiche Wissens­plattform geschaffen werden. Diese soll unter dem Namen DAT Barometer auch weiterhin als Grundlage all denjenigen dienen, die sich in öffentlichen Diskussionen über Themen aus der Automobil­branche vorzugsweise auf Fakten als auf Meinungen stützen. Die unterschied­lichen Perspektiven (private Autokauf­planer, Pkw-Halter, Automobil­händler, Fuhrpark­verantwortliche) der einzelnen Veröffentlichungen zeigen hierbei das Spektrum des Marktes und dessen Sicht auf die individuelle Mobilität.

Sämtliche im DAT Barometer enthaltenen Angaben sind urheber­rechtlich geschützt. Nachdruck und foto­mechanische/digitale Wieder­gabe, auch auszugs­weise, nur mit Quellen­angabe „Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT)“. Kommerzielle Nutzung, auch auszugs­weise, nur nach vorheriger Zustimmung der DAT.

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