DAT Barometer Juli 2026:
Schwerpunkt KBA

Volatilität ist das neue Normal

Um den Automobilmarkt in seiner Gesamtheit zu verstehen, bietet sich zunächst immer der Blick auf den Pkw-Bestand an. Dieser zeigt, dass von knapp 50 Mio. Einheiten nicht nur fast 90% in privaten Händen sind, sondern auch rund 90% über einen Verbrennermotor verfügen. Rein batterieelektrisch fuhren zum 1.1.2026 etwas über 2 Mio. Pkw (BEV). 

Schaut man dagegen auf die Neuzulassungen, ist auffällig, dass die E-Mobilität ihren Weg in den Markt gefunden hat. Fast jeder vierte neu zugelassene Pkw zählte im ersten Halbjahr 2026 zu den BEV, das gilt für die gewerblichen und die privaten gleichermaßen. Auch wenn die BEV-Neuzulassungen steigen, darf nicht unbeachtet bleiben, dass viele Unternehmen unter der wirtschaftlich schwierigen Situation leiden und oftmals nicht mehr so viele Pkw anschaffen wie noch in der Vergangenheit. 

Auch die Endverbraucher halten ihr Geld zusammen und wägen einen Pkw-Kauf gut ab. Vermutlich die hohen Kraftstoffpreise und auch die Förderprämie begünstigten beim Privatkauf aber dann doch oftmals einen BEV. Auch als Gebrauchtwagen, und das mittlerweile so häufig, dass es derzeit weniger Angebot an gebrauchten BEV als Nachfrage gibt. Ein klarer Pluspunkt für BEV-Neuwagen

Zusammenfassend wird deutlich, Verunsicherung beherrscht den Markt: politische Unwägbarkeiten, kurzfristige Einflüsse, Mitnahmeeffekte, knappes Gebrauchtwagenangebot, lange Lieferzeiten bei Neuwagen. All das macht Vorhersagen immer komplexer. Ruhiges Fahrwasser war gestern, Volatilität ist das neue Normal.

Verbrenner dominieren weiter den Pkw-Bestand:

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat zum Stichtag 1.1.2026 in Deutschland knapp 50 Mio. Pkw gezählt. Fast 90% davon sind im Besitz von Privatpersonen. Betrachtet man den Gesamtbestand nach ausgewählten Antriebsarten, wird deutlich, dass die große Mehrheit der Pkw (29,3 Mio.) von einem Benzinmotor angetrieben wird. Hierbei entfallen 95% auf private Halter. Immerhin noch 13,4 Mio. Pkw fahren mit einem Dieselmotor. Diese Fahrzeuge verteilen sich zu 86% auf private und zu 14% auf gewerbliche Halter. Bei den gut 2 Mio. rein batterieelektrischen Fahrzeugen liegt der private Anteil bei 60%.

Private BEV-Nachfrage zieht an:

In den vergangenen 1,5 Jahren stieg die private BEV-Nachfrage langsam, aber stetig, auch ohne Förderung für E-Autos bei moderaten Kraftstoffpreisen. Dies änderte sich seit der Sperrung der Straße von Hormus. Die Kraftstoffpreise und die BEV-Neuzulassungen stiegen massiv

Bei den gewerblichen Zulassungen war die Entwicklung zunächst eher verhalten, sicherlich aufgrund der wirtschaftlichen Situation vieler Unternehmen in Deutschland. Private Neuwagenkäufer interessieren sich dagegen seit Jahresbeginn zunehmend für BEV, einige vielleicht wegen der hohen Kraftstoffpreise, andere sicherlich auch wegen der Prämie und der größeren Modellvielfalt. Mittlerweile haben die privaten die gewerblichen BEV-Neuzulassungen überholt.

BEV-Gebrauchtwagen werden knapp:

Die Anzahl der BEV-Besitzumschreibungen lag in den vergangenen 1,5 Jahren stets über den privaten BEV-Neuzulassungen. Besonders auffällig war der April 2026 mit über 40.000BEV-Besitzumschreibungen. Die privaten BEV-Neuzulassungen war dagegen im gleichen Monat trotz der E-Prämie leicht rückläufig

Was den Markt insgesamt belebt hat, waren die hohen Kraftstoffpreise. Dies hat dazu geführt, dass gebrauchte BEV – besonders die um 20.000 Euro – stark nachgefragt und nun sehr knapp wurden. Zudem macht sich jetzt die „Corona-Delle“ und die Auswirkungen des Ukraine-Krieges bemerkbar. Weniger Fahrzeuge wurden damals neu gebaut, die fehlen heute als Gebrauchtwagen.

BEV-Gebrauchtwagenwerte stabilisieren sich:

Angebot und Nachfrage machen den Preis. Dieses einfache Marktmodell lässt sich derzeit auf die Gebrauchtfahrzeugwertevon rein batterieelektrischen Pkw übertragen. Durch die hohen Kraftstoffpreise rückten gebrauchte BEV bei vielen Interessenten in den Fokus. Sie waren sofort verfügbar und besonders die kleinen Modelle preislich attraktiv. Dadurch wurde das Angebot sehr knapp, und auch weniger Gebrauchtwagen kamen nach. Das führte dazu, dass sich die BEV-Werte nun leicht nach oben entwickeln. Verbrenner liegen nach wie vor fast zehn Prozentpunkte darüber, befinden sich aber in einer leichten Abwärtstendenz.

Methodik

Das DAT Barometer ist eine Momentaufnahme aus primär- und sekundärspezifischen Daten des Automarkts.
Monatlich werden hierzu umfangreiche Auswertungen vorgenommen, darunter v. a. aus Datenbanken der DAT und des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA).

Grundsätzliche Hinweise

Unter dem Namen „DAT Diesel-Barometer®“ wurde im April 2017 eine monatliche Online-Publikation der DAT ins Leben gerufen, um die Diskussion um den Diesel zu versachlichen. Gemäß dem Auftrag der DAT, als neutrale Instanz die Daten der Automobil­branche zu sammeln, anzureichern und diese wieder strukturiert dem Markt zur Verfügung zu stellen, konnte eine umfangreiche Wissens­plattform geschaffen werden. Diese soll unter dem Namen DAT Barometer auch weiterhin als Grundlage all denjenigen dienen, die sich in öffentlichen Diskussionen über Themen aus der Automobil­branche vorzugsweise auf Fakten als auf Meinungen stützen. Die unterschied­lichen Perspektiven (private Autokauf­planer, Pkw-Halter, Automobil­händler, Fuhrpark­verantwortliche) der einzelnen Veröffentlichungen zeigen hierbei das Spektrum des Marktes und dessen Sicht auf die individuelle Mobilität.

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