Jahresrückblick auf den Automarkt 2020

Nach den schwierigen Monaten des ersten harten Lockdowns war nicht klar, wie sich das Konsumverhalten entwickeln würde. Der Gebrauchtwagenmarkt hat sich dann über die weiteren Monate auf einem guten Niveau stabilisiert. Standtage und Fahrzeugwerte haben sich aus Handelssicht gut entwickelt. 

Was bleibt vom Jahr 2020 – aus automobiler Sicht? Auf jeden Fall die Erkenntnis, dass für viele Menschen hierzulande das Automobil unverzichtbar ist – mehr vielleicht noch als in früheren Jahren. Beim Blick auf die aktuellen Zahlen des KBA zeigt sich: Die Nachfrage nach individueller Mobilität war 2020 sehr hoch. 

Nach den schwierigen Monaten des ersten harten Lockdowns war nicht klar, wie sich das Konsumverhalten entwickeln würde. Immerhin brach der Neuwagenmarkt um über 60%, der Gebrauchtwagenmarkt um über 40% ein, alles stand weitestgehend still. Und dann gab es einen regelrechten Run auf Gebrauchtwagen, der im Juli in einem Allzeithoch von knapp unter 750.000 Besitzumschreibungen (747.831 Einheiten) in nur einem Monat mündete. Heruntergebrochen auf die Anzahl der Zulassungsstellen in Deutschland kann man sich ungefähr vorstellen, was da los gewesen sein muss.
Der Gebrauchtwagenmarkt hat sich dann über die weiteren Monate auf einem guten Niveau stabilisiert und konnte mit nur -2,4 Prozent knapp unter dem Vorjahr abschließen. Dem Neuwagenmarkt fehlten am Ende 19,1 Prozent. 

Für den GW-Markt 2020 gilt:

  1. Der GW-Markt insgesamt war stark: Hohe Besitzumschreibungszahlen können ab Mitte des Jahres durch Vorzieh- oder Mitnahmeeffekte aufgrund der Mehrwertsteueranpassung erfolgt sein. Sofortige Verfügbarkeit, die grundsätzliche Fokussierung auf das Fahrzeug als sicheres Transportmittel und Reisemittel in den Urlaub sind weitere Gründe. Besonders in Zeiten der Pandemie ermöglicht nur das Auto über längere Strecken eine kontaktlose Mobilität. 
  2. Der Trend zu kleinen und kompakten SUV – wie er auch im Neuwagenmarkt zu sehen ist – zeigt sich auch bei den Gebrauchtwagen. Es wurden oft junge, gut ausgestattete Fahrzeuge (Stichwort: Fahrerassistenzsysteme) mit modernen Euro-6-Motoren erworben, um zukunftssicher mobil zu sein. 
  3. Die Investitionsbereitschaft war hoch: Bei der Betrachtung der Durchschnittspreise, die ein Endverbraucher beim Handel für einen Gebrauchtwagen bezahlt hat, konnten wir eine deutliche Steigerung zum Vorjahr feststellen. Viele Käufer haben sicherlich Geld, welches für Urlaube oder andere Ausgaben geplant war, stattdessen in den Autokauf investiert. In ähnlich hohem Maße wurden auch ältere Fahrzeuge erworben, denn auf dem Gebrauchtwagenmarkt gibt es für nahezu jedes Budget ein Angebot.
  4. Die Menschen haben bisherige Fahrzeuge früher abgestoßen, um sich ein neues gebrauchtes Fahrzeug zu beschaffen. 
  5. Der Handel hatte insgesamt ein gutes Gebrauchtwagen-Jahr: Dadurch, dass die Fabriken stillstanden und die Versorgung mit individuell konfigurierten Neuwagen entweder mit langen Lieferfristen oder Beschaffungsschwierigkeiten verbunden war, haben sich viele Kaufinteressenten für einen Gebrauchtwagen entschieden. Weil junge Gebrauchtwagen teilweise knapp waren (viele Werksangehörige konnten ihre Fahrzeuge nicht erneuern, Leasingverträge wurden z. T. verlängert, Mietwagenflotten wurden nicht im üblichen Zyklus erneuert), waren diese begehrt und konnten zu höheren Durchschnittspreisen vermarktet werden. Unsere Analysen für den Dezember 2020 zeigen sogar einen Anstieg der Fahrzeugwerte (Diesel: 52,5%, Benziner 56,6% vom ehemaligen Listenneupreis), was eher ungewöhnlich für ein Jahresende ist. Hinzu kommt: Die Standtage der Fahrzeuge gingen deutlich nach unten. Nach Ende des ersten Lockdowns verkauften sich die Gebrauchtwagen beim Handel sehr schnell. Im Schnitt standen im Dezember die Fahrzeuge zwischen 73 und 75 Tagen, das sorgt für niedrigere Standkosten und für einen Entspannung der Situation beim Handel generell. 


2021 wird die Pandemie hoffentlich für alle beherrschbarer. Die Rahmenbedingungen dafür wurden geschaffen, sodass die Lage mit Impfungen und niedrigeren Infektionszahlen uns allen wieder ein Stück Normalität zurückbringt. Das Automobil als individuelles Transportmittel wird jedenfalls weiter sehr begehrt bleiben.
 

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