Gebrauchtwagenmarkt im Mai 2026
In Summe ergibt das seit Jahresbeginn 2.645.559 Gebrauchtwagen, die den Besitzer gewechselt haben. Auch das ein Rückgang zum Vorjahreszeitraum – um 3,9 Prozent.
Der Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland steht vor einer schwierigen Situation. Wir hatten 2020 zuletzt über 7 Mio. Besitzumschreibungen, dann fiel der Markt 2022 auf ein nahezu historisches Tief von 5,6 Mio. Einheiten. In den folgenden Jahren hat er sich gefangen und ist 2025 auf 6,5 Mio. Einheiten gestiegen. Nun ist die erste Jahreshälfte 2026 noch nicht vorbei, aber vor den Zahlen stehen negative Vorzeichen – generell und beim KBA in Flensburg. Gewerbliche Neuzulassungen sind rückläufig, Besitzumschreibungen auch. Einige wenige Privatpersonen leisten sich neue Pkw, aber – um es sinngemäß mit dem Politiker Karl Schiller zu sagen: „Die Pferde saufen nicht“.
Wir haben in Deutschland weiterhin ein Standortproblem für viele Industrien. Davon sind mittelbar und unmittelbar viele Arbeitsplätze betroffen. Finanzielle Rücklagen sind bei etwa 30% aller Haushalte nicht oder nur kaum vorhanden. Und ganz aktuell liegen neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes vor, wonach 16% der Menschen in Deutschland armutsgefährdet sind.
Die gesamtwirtschaftliche Situation in Deutschland hat Auswirkungen auf den Autokauf – das steht außer Frage. Nun scheint es nach längeren stabilen Phasen erstmals wieder so, dass sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt Bremsspuren zeigen. Befeuert wird dies zusätzlich durch die aktuell hohen Kraftstoffpreise. Für die Menschen in den niedrigen Einkommensgruppen wird der Unterhalt (zu) teuer, die Anschaffung eines neuen gebrauchten Pkw offenbar auch. Wer sich dagegen den Autokauf leisten kann, der schaut vermehrt auf elektrische Antriebe. Interessant hierbei: Im April wurden erstmals mehr gebrauchte BEV gezählt als gewerbliche neue BEV. Ja, Sie haben richtig gelesen. Mehr Gebrauchte als gewerbliche Neue. Während gewerbliche neue BEV von März auf April rückläufig waren (private neue BEV übrigens auch), haben sich die gebrauchten BEV auf über 42.500 Einheiten an den 35.500 gewerblichen BEV vorbeigeschoben.
Unser Bundeskanzler meinte beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum, wir sollen das Hoffen auf einen großen Befreiungsschlag hinter uns lassen. Den brauchen wir auch nicht, aber wir brauchen Rahmenbedingungen, damit Wachstum wieder möglich wird.
