Gebrauchtwagenmarkt im Mai 2022

Weiter im Rückwärtsgang - so richtig kommt der Gebrauchtwagenmarkt auch im Mai 2022 nicht in Fahrt.

Der Mai brachte nach KBA-Informationen nur 487.222 Besitzumschreibungen. Das sind zwar 10,3 Prozent mehr als im sehr schwachen April. Dennoch liegt der Markt -13,2 Prozent hinter dem Mai 2021. Addiert man alle Besitzumschreibungen des Jahres 2022 seit Januar, so summiert sich dies auf 2.400.814 Einheiten. Auch das ist mit -12,2 Prozent ein deutlicher Rückgang gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt fehlt es weiterhin an Angebot, viele Käufer warten ab, und diejenigen, die sich aktuell im Kaufprozess befinden, sehen den Kaufprozess als zeitaufwändiger und schwieriger als etwa vor zwei oder drei Jahren. Das konnten wir im aktuellen DAT-Barometer Mai 2022 ermitteln.

Sicherlich empfinden viele Kaufplaner dies auch deswegen als so anstrengend, weil etwaige Wünsche nicht erfüllt werden können – etwa wenn sie wegen weiterhin langer Lieferzeiten von einem zunächst geplanten Neuwagen auf einen Gebrauchtwagen wechseln müssen und dann unter wenigen und meist teuren Fahrzeugen auswählen müssen. Im Schnitt kosteten dreijährige Benziner im April 2022 etwa 30% mehr als dreijährige Benziner im April 2021. Bei Dieseln sind die Zahlen ähnlich. Zusätzlich zum knappen Angebot und der gestiegenen Bedeutung des Automobils darf aber eines nicht vergessen werden: Der Automobilhandel hatte permanent mit hohen Kosten zu kämpfen, d.h. die Fahrzeuge mussten inzwischen auch deutlich teurer eingekauft werden - bei gleichzeitig gestiegenen Kosten für Energie, Transport, Personal etc.

Die aktuelle Situation offenbart sich deutlich, wenn man 2022 mit dem letzten „normalen“ Autojahr 2019 vergleicht. Damals wechselten im Mai 636.222 Einheiten den Besitzer, kumuliert erreichte der Markt 3.052.979 Einheiten. Damit liegt der Gebrauchtwagenmarkt 2022 aktuell fast 30 Prozent unter dem Gebrauchtwagenmarkt von 2019. Sicherlich müssen wegen des geringen Angebots die Kaufplaner auch Kompromisse eingehen: 37% bei den Antriebsarten, und 30% überdenken die zunächst geplante Automarke – auch das Erkenntnisse aus dem aktuellen DAT-Barometer. Gekauft werden aber auch ältere Gebrauchte und solche mit höherer Laufleistung – also Pkw, die in den vergangenen Jahren eher „abgestraft“ wurden. Heute wecken diese das Interesse der Käufer.

Was also kommt? Gebrauchtwagen werden weiter an Attraktivität gewinnen – einfach weil sie sofort verfügbar sind. Bei den Gebrauchtwagenpreisen ist ein Plateau erreicht, der Anstieg ist gebremst. Ob das so bleibt, kann aktuell nicht sicher bestätigt werden, denn dies hängt u. a. mit der Entwicklung der Kaufkraft, der Inflation, der Situation in der Ukraine und dem derzeit weiter stagnierenden Neuwagenmarkt zusammen.