Gebrauchtwagenmarkt im Mai 2021

Kommen gebrauchte E-Autos eher mit einem Leasingvertrag in den Markt? Und wo liegt da die Schmerzgrenze, wenn neue E-Autos schon für unter 100 Euro zu haben sind?

Der Gebrauchtwagenmarkt hat etwas an Schwung verloren. Im Mai 2021 wechselten laut KBA 561.109 Pkw den Besitzer, das sind 5 Prozent weniger als im April 2020, aber immerhin 2,2 Prozent mehr als im Mai 2020. Kumuliert erreicht der Markt 2.735.508 Einheiten, das sind fast sieben Prozent (6,8 Prozent) mehr als im Vergleichszeitraum 2020.

Doch der Gebrauchtwagenmarkt bleibt auch in Pandemiezeiten ein Garant für die Mobilität der Menschen. Und: Er steht für den Besitz, statt für die Nutzung. Über 2,7 Mio. Menschen haben sich seit Jahresbeginn für den Besitz eines Pkw entschieden, nicht für ein Finanzierungsmodell, bei dem es um die Nutzung geht. Für GW-Käufer spielen Abomodelle kaum eine Rolle – laut DAT-Report sagen 80% der GW-Käufer, dass ein Auto-Abo nicht infrage kommt. Und auch das Leasing von Gebrauchtwagen war in der Vergangenheit kaum ein Thema. Aber: Mit dem Aufkommen der Elektromobilität rückt dieses Thema stärker in den Fokus. Das bedeutet: Im Neuwagenbereich kommen schon heute viele E-Autos vor allem über Leasingmodelle in den Markt. Die Dauer eines Leasingvertrages ist mit 24, 36 oder 48 Monaten in der Regel deutlich kürzer als die durchschnittliche Haltedauer eines gekauften Pkw (zwischen 6,5 und 8 Jahren). Dadurch kommen diese BEV- und PHEV-Pkw früher als sonst zurück in den Markt. 
Um aber diese auch für Gebrauchtwagen-Interessenten attraktiv zu halten (und um Risiken für den nächsten Halter zu minimieren), könnte das Leasing oder ein Abo für einen Gebrauchtwagen künftig eine Möglichkeit sein, Menschen mit E-Mobilität in Kontakt zu bringen. Wenn wir allerdings die häufig (auch durch Prämien) gestützten Leasingraten bei Neuwagen betrachten, so müssen dann Leasingraten für gebrauchte E-Autos deutlich niedriger sein, um attraktiv zu werden. Aber wo liegt da die Schmerzgrenze? Was ist im Markt vertretbar, wenn ein BEV aus der Kleinwagenklasse neu für weit unter 100 €  im gewerblichen Leasing angeboten wird? Und wie teilen sich Hersteller und Handel das Risiko? 

Noch ist der Markt verhältnismäßig klein, aber die PHEV kommen unaufhaltsam in größeren Stückzahlen aus den gewerblichen Fuhrparks, und auch die BEV von privaten und gewerblichen Kunden werden folgen. Dann wird es im Lebenszyklus dieser Fahrzeuge einen Kampf um die attraktivere Gebrauchtwagen-Leasingrate gehen inkl. der Transparenz über den Zustand der Batterie. Einen weiteren Schub wird das Thema dann bekommen, wenn Städte reine Verbrenner verbieten (wollen) und weitere Privilegien für E-Autos implementieren. Die Verunsicherung der Menschen wird weiter steigen – und einen Platz für eine Lademöglichkeit müssen die GW-Käufer auch erstmal finden. Hier gilt es vor allem für den Handel zu unterstützen: mit Transparenz, Wissen und Lösungsansätzen.

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