Gebrauchtwagenmarkt im Juni 2021

Die Fußball-EM ist vorbei, und auf dem Automobilmarkt ist Halbzeit. Hier die Details und unser Kommentar dazu.

Der Automobilmarkt geht in die zweite Halbzeit. Mit 3.366.226 Besitzumschreibungen in der ersten Jahreshälfte konnte der Gebrauchtwagenmarkt immerhin um 5,2 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum wachsen. Alleine im Juni wechselten 630.718 gebrauchte Pkw den Besitzer – damit lag er zwar knapp unter dem Vorjahresmonat (-1,2 Prozent), konnte aber ein deutliches Plus gegenüber dem von Corona geprägten Mai 2021 erzielen.

In den vergangenen Tagen war in den Fach- und Publikumsmedien viel über gestiegene Gebrauchtwagenpreise zu lesen. Was in dieser verkürzten Form sehr einfach klingt, ist im Detail allerdings komplex.

Grundsätzlich konnten wir in unserer Marktbeobachtung während des Jahres 2020 ein steigendes Gebrauchtwagenniveau feststellen. Das bedeutet: Im Verhältnis zum ehemaligen Listenpreis der Neuwagen stiegen die Gebrauchtwagenpreise prozentual ebenfalls an. Bedingt durch die Absenkung der Mehrwertsteuer Mitte 2020 kam ein zusätzlicher Schub in den Markt.

Die Ausgangslage für dieses Szenario lässt sich folgendermaßen skizzieren:

  • Durch die Pandemie im Jahr 2020 und den dadurch bedingten Stillstand der Werke wurden weniger Autos gebaut. Dadurch konnten weniger Autos neu im Markt zugelassen werden – und zwar auf Hersteller, Handel, Vermieter und Flotte. Wir sprechen hier über eine Größenordnung von -30% gegenüber 2019.
  • Diese Fahrzeuge in hoher sechsstelliger Zahl fehlen nun als junge Gebrauchtwagen.
  • Da weniger Neuwagen gebaut wurden, haben sich viele Neuwagen-Interessenten für einen jungen Gebrauchtwagen entschieden. Im DAT-Report konnten wir zudem feststellen: Die Quote der „Abwanderer“ von ehemals Neuwagen zu jetzt Gebrauchtwagen war im Jahr 2020  mit 19 Prozent deutlich höher als sonst (2019: 14 Prozent). 

Die Situation geht aber noch weiter: Fahrzeuge, die 2021 und aktuell ausgefleetet wurden, haben weniger Laufleistung, da sie schlicht weniger gefahren wurden. Das gilt besonders für Ex-Leasing- und Ex-Vermieterfahrzeuge. Niedrigere Laufleistung ist per se ein hochrelevanter wertbeeinflussender Faktor. Dem Handel war es möglich, für diese Fahrzeuge höhere Preise zu erzielen.

Durch die insgesamt vorherrschende Verknappung auf dem Markt stieg das Preisniveau Anfang 2021 nochmals leicht an. Wichtig hierbei: Wenn wir über das Gebrauchtwagen-Preisniveau sprechen, dann ist es bereits ein positives Phänomen, wenn die prozentualen Restwerte nicht sinken, sondern stabil sind oder – wie im aktuellen Fall – leicht ansteigen. Wir rechnen damit, dass sich diese Situation in der zweiten Jahreshälfte weiter fortsetzen könnte und erst dann mit einer Normalisierung, d.h. wieder leicht fallendem Preisniveau zu rechnen ist, wenn das Angebot wieder höher ist als die Nachfrage.
 

Weiterempfehlen auf