Gebrauchtwagenmarkt im Januar 2021

Es gibt mehrere Faktoren, die der DAT-Marktbeobachtung die eine oder andere Sorgenfalte auf die Stirn treiben.

Das neue Jahr ist unter dem im Dezember verhängten harten Lockdown gestartet, und so war es kaum verwunderlich, dass die Zulassungszahlen und Besitzumschreibungen unter deutlich negativen Zeichen stehen. Im Januar registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt KBA 446.912 Besitzumschreibungen, das waren 15,1 Prozent weniger als im Dezember 2020 und 29,4 Prozent weniger als noch im Januar vor einem Jahr. Noch deutlicher traf es den Neuwagenmarkt, wo die Rückgänge zum Vormonat bei 45,5 und zum Vorjahresmonat bei 31,1 Prozent liegen. Es wird in der Geschichte des KBA kaum einen Januar gegeben haben, der so niedrige Neuzulassungszahlen aufgewiesen hat.

Wenn wir den Gebrauchtwagenmarkt betrachten, gibt es mehrere Faktoren, die der DAT-Marktbeobachtung die eine oder andere Sorgenfalte auf die Stirn treiben. Da ist zunächst der Einfluss der hohen Nachlässe bei den elektrifizierten Neuwagen. Dieser wird nicht weniger, sondern verstetigt sich. Aus Sicht des Handels sind das bittere Pillen, die jeder Betrieb bei der Vermarktung seiner elektrifizierten Gebrauchten schlucken muss. Welcher GW-Verkäufer möchte ernsthaft diese Fahrzeuge mit stolz geschwellter Brust überzeugend an den Mann oder die Frau bringen, wenn der Neuwagenkollege im Showroom nebenan mit den attraktiven Prämien für das Neufahrzeug winkt? Die elektrifizierten Gebrauchten stehen länger und verlieren schneller an Wert. Wir haben das bereits im Sommer 2020 gesagt und betonen es hier erneut: Die Branche tut sich mit dieser Art von Absatzpolitik keinen Gefallen. Es werden Stückzahlen produziert, die als Gebrauchte schwer zu vermarkten sind. Wir sprechen hierbei über den Faktor 10 bei den Volumina, wenn wir neue BEV und gebrauchte BEV vergleichen.

Hinzu kommt: Der vor allem zum Jahresende hohe Zulassungsanteil an Plug-In Hybriden (Stichwort Flottenverbrauch) einiger Baureihen wird den Gebrauchtwagenmarkt vor Herausforderungen stellen: Es fehlen für elektrifizierte Fahrzeuge jegliche Absorptionsbeschleuniger analog der Neuwagen. Zudem werden viele der neuen BEV/PHEV im Erstbesitz keine Haltedauer von 10 Jahren erleben, sondern als Leasingfahrzeuge (mit teilweise aberwitzigen Raten) nach 36 Monaten leise wieder zurück auf den Hof der Händler rollen und dort auf einen Interessenten warten.

Kommt nach dem Hype also die Ernüchterung? In Teilen ja, das lässt sich anhand unserer Zahlen für die Gebrauchtfahrzeugwerte von BEV und PHEV stellenweise jetzt schon ablesen.

Weiterempfehlen auf