Gebrauchtwagenmarkt im Februar 2022

Kraftstoffpreisentwicklungen, Rohstoffmangel, niedrige Laufleistungen - all das nimmt den GW-Markt in die Zange.

Der Gebrauchtwagenmarkt im Februar war nicht von allzu großen Überraschungen geprägt. 466.304 Fahrzeuge wechselten laut KBA den Besitzer, das waren 1,2 Prozent weniger als im Januar und gerade einmal 0,4 Prozent weniger als im Lockdown-Februar 2021. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2022 zählte das KBA 938.108 Besitzumschreibungen, das sind zwar 3,0 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum, aber durch den Lockdown sind die Zahlen schwer vergleichbar. In starken Jahren wechselten in den ersten beiden Monaten deutlich über 1 Mio. Fahrzeuge den Besitzer, aber wo es keine Ware gibt, kann keine Ware verkauft werden. 

Derzeit legt sich der Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Unsicherheit der global vernetzten Lieferketten unserer Branche wie ein schwerer Schleier über alle Aktivitäten. Lieferschwierigkeiten aufgrund fehlender Kabelbäume, knappe oder teure Rohstoffe wie Neongas, Palladium oder Nickel, geschlossene Werke, angespannte Lage bei diversen Zulieferern etc. werden jedenfalls negative Auswirkungen auf die Neuzulassungen haben. Und darunter wird zeitverzögert auch wieder der Gebrauchtwagenmarkt leiden. 

Ein aktuell wichtiger Aspekt für den Gebrauchtwagenmarkt ist die Corona-bedingte Veränderung der Fahrleistung. Die im DAT-Report ermittelte, um 4 Prozent gesunkene Durchschnittsfahrleistung von aktuell 13.180 Kilometern pro Jahr über alle Segmente und Antriebsarten kann hierbei als erster Indikator gelten. Die Laufleistung ist ein elementarer, wertbeeinflussende Faktor. Für die professionelle Fahrzeugbewertung werden klassentypische jährlichen Bezugsfahrstrecken herangezogen, die bislang je nach Segment und Antriebsart zwischen 12.000 und 24.000 Kilometern pro Jahr betrugen.  

In jüngster Zeit hat sich allerdings der Trend zu geringeren Jahresfahrleistungen in vielen unserer Datenbanken gezeigt. Für einen dreijährigen Kompaktwagen wurde beispielsweise bisher eine Laufleistung von 45.000 km angenommen. Zuletzt ist diese allerdings auf durchschnittlich 36.000 km gesunken. Würde bei einer Inzahlungnahme ein solches drei Jahre altes Fahrzeug mit einer tatsächlichen Laufleistung von 38.000 km bewertet, so hätte man bisher 7.000 km korrigieren müssen. Durch die zum 1. März von der DAT vorgenommene Kilometerkorrektur müssen in diesem Fall nur noch 2.000 km Abweichung berücksichtigt werden. Dadurch steigt die Präzision der Bewertung, weil dieser Wert näher an der neuen Bezugsfahrstrecke liegt. 

Eine niedrigere Fahrleistung bedeutet in der Regel aber auch einen höheren Restwert. Dieses unterstützt also aktuell auch noch das Hochpreisgefüge am GW-Markt. 

Es bleibt abschließend abzuwarten, wie stark die aktuellen Kraftstoffpreisentwicklungen Einfluss auf die zukünftigen Fahrleistungen haben werden. Es ist aber davon auszugehen, dass diese weiter sinken werden.