Gebrauchtwagenmarkt im April 2018

Frühjahrsmüdigkeit trifft auf Dieselmüdigkeit, könnte man zur Situation des Gebrauchtwagenmarkts im April sagen. Die typische Frühjahrsbelebung ist ausgeblieben. Dazu kommt die Dieselmalaise, die der Handel ausbaden muss. Einen Aha-Effekt gibt es allerdings: Der betrifft den Privatanteil der Neuzulassungen.

Der Gebrauchtwagenmarkt zeigt im April eine leichte Erholung. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat 619.557 Besitzumschreibungen registriert, das sind erfreuliche 5,2 Prozent mehr als im April vor einem Jahr, allerdings liegt der Markt 3,4 Prozent unter dem direkten Vormonat März. Die saisonal starke Belebung im März ist ausgeblieben, und gepaart mit den Zahlen vom April liegt der Markt kumuliert mit 2.404.819 Einheiten knapp zwei Prozent (-1,6 Prozent) unter dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Man muss allerdings in diesem Zusammenhang den Blick auf die privaten Neuzulassungen werfen: Sie wuchsen laut KBA um +19,3 Prozent und erreichten – bezogen auf alle Neuzulassungen im April – einen Gesamtanteil von 38,5 Prozent.

Der Markt ist demnach von hoher Nachfrage geprägt, allerdings mit Verschiebungen hin zu mehr privaten Neuwagenkäufen und zu deutlich mehr Benzinern. Insgesamt – und das ist seit vielen Jahren der Fall – zeigt sich der deutsche Automobilmarkt also stabil.

Was die Situation rund um die Euro-5-Fahrzeuge betrifft, die als Rückläufer aus Leasing- und Finanzierungsverträgen zum Handel kommen, so werden diese sukzessive weniger, und moderne Euro-6-Diesel folgen. Wir vermuten zudem, dass eine Vielzahl an Euro-5-Fahrzeugen bereits in andere Märkte exportiert wurde. Exakte Zahlen darüber sind aufgrund des innereuropäischen Handels allerdings schwer zu ermitteln.

Für den Handel bedeutet die aktuelle Situation, noch genauer auf die Zusammensetzung des Sortiments zu achten. Die letzte Abfrage der Standtage für das Dieselbarometer zeigt einen hohen Wert von 103 Tagen bei Diesel-Gebrauchtwagen bundesweit und über alle Segmente. Eine Multiplikation mit den durchschnittlichen Standkosten von 28 Euro pro Tag macht deutlich, dass die Händler aktuell überhaupt keine Chance haben, bei der Vermarktung von Diesel-Gebrauchtfahrzeugen auch nur ihre Kosten zu decken. Für eine solch negative Entwicklung können Automobilbetriebe mit einer durchschnittlichen Rendite von 1,6 Prozent kaum eine stabile Vorsorge in ihren Bilanzen treffen. Daher ist es mehr denn je wichtig, den Anteil des Risikobestandes so niedrig wie möglich zu halten. In der Konsequenz verkaufen 60 Prozent der Händler ihre Diesel-Gebrauchtwagen vermehrt über B2B-Kanäle, 22 Prozent nehmen offenbar gar keine Diesel mehr in Zahlung.

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