Der Gebrauchtwagenmarkt im Juni 2020

Kein „Firesale“, keiner hat die Preise deutlich heruntergeschraubt, sondern der Handel hat sich größtenteils ruhig verhalten und seine Fahrzeuge mit Bedacht verkauft.

Im Monat Juni 638.463 Besitzumschreibungen. Das sind 16,3 Prozent mehr als im Vormonat und immerhin 14,1 Prozent mehr als noch im Juni 2019. Kumuliert wechselten im ersten Halbjahr 3.200.767 Gebrauchtwagen den Besitzer, das sind 11,4 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019.

Aus Sicht des Handels stellt sich die Situation folgendermaßen dar: Die Bestände sind weiterhin hoch, aber es ist kein großer Systemschaden entstanden. Das bedeutet: Kein „Firesale“, keiner hat die Preise deutlich heruntergeschraubt, sondern der Handel hat sich größtenteils ruhig verhalten und seine Fahrzeuge mit Bedacht verkauft. Viele haben die Situation so genutzt, dass sie ihre Gebrauchtwagen als passende Alternative zu den schwerer oder auch nicht verfügbaren Neuwagen angeboten haben. Ist das ein Quantum Hoffnung für den Markt?

Was die Senkung der Mehrwertsteuer betrifft, so wird sich zeigen, ob diese auch für entsprechende Belebung auf dem GW-Markt sorgen wird. Wesentlich dramatischer ist ja, dass im Neuwagenbereich teilweise 19% Nachlass auf die Fahrzeuge angepriesen wird. Das kann die Gebrauchtwagen deutlich unter Druck setzen. Zumal ein Neuwagenleasing oder eine von der Herstellerbank gestützte Finanzierung mit kleinen Raten den Kauf eines Gebrauchtwagens deutlich weniger attraktiv erscheinen lässt.

„Attraktivität“ ist auch das Stichwort für elektrifizierte Fahrzeuge: Die deutlich gesteigerten Prämien führen bereits im Handel zu teilweise absurden Leasingangeboten und schüren die Gefahr von hohen Verlusten beim Weiterverkauf dieser Pkw in zwei bis drei Jahren. Denn eins ist klar: Die stark rabattierten Neuwagen werden einen Einfluss auf das allgemeine Wertniveau von dieser Fahrzeuggattung haben.  Und es könnte eine „Gefahr“ für die klassischen Verbrenner geben – auf dem Neu- und Gebrauchtwagenmarkt. Die elektrifizierten Fahrzeuge (vor allem PHEVs) sind ja dann so attraktiv, dass sich Menschen, die ein solche Antriebsart weder brauchen noch korrekt laden können, dann trotzdem dafür entscheiden, um den Kostenvorteil zu haben.

Als Fazit bleibt zu sagen: Wir hatten noch nie so viel Bewegung auf dem Markt. Wir stehen an einem Punkt, an dem eigentlich ein technologischer Wandel erzwungen werden muss (Stichwort „CO2-Emissionen“), gleichzeitig hält uns die Ungewissheit über die weltweite Pandemie und deren Auswirkungen z.B. auf die Kaufkraft in Atem. Hinzu kommen die Quersubventionen durch Prämien und Leasingraten. Als Händler gilt es, alle Faktoren mit Bedacht einzubeziehen, um auf Veränderungen angemessen reagieren zu können.

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