Der Gebrauchtwagenmarkt im Juli 2020

Grundsätzlich ist die Lage stabil. Es herrscht allerdings ein sehr starker Wettbewerb zwischen subventionierten und nicht-subventionierten Pkw.

Während der Neuwagenmarkt noch weit von seiner Vorjahresperformance entfernt ist, sind Gebrauchtwagen stark nachgefragt. Laut KBA wurden im Juli 747.831 Besitzumschreibungen registriert, das sind 17,1 Prozent mehr als im Juni 2020 und 13,3 Prozent mehr als noch im Juli 2019. In den ersten sieben Monaten des letzten Jahres lag der GW-Markt 7,6 Prozent über den aktuell kumulierten Zahlen von 3.948.598 Einheiten, aber verglichen mit den fehlenden 30,1 Prozent bei den Neuzulassungen hat sich der GW-Markt stark positiv entwickelt.

Eine weiterhin aktuelle Thematik bleiben die hohen Prämien für neue E-Autos. Es herrscht ein sehr starker Wettbewerb zu nicht-subventionierten neuen Pkw und auch zu (nicht nur) jungen Gebrauchtwagen. Erste Anzeichen sind nun bereits in den Notierungen von Elektrofahrzeugen zu sehen, da prämierte Fahrzeuge bis 35.000 Euro Listenneupreis bis zu einem Drittel ihres Wertes beim Zeitpunkt des Kaufs „verlieren“. Nicht-prämierte Gebrauchte sind dadurch unattraktiver und werden zu niedrigeren Preisen verkauft. Besonders die Fahrzeugmodelle, die nicht im hochpreisigen Segment angesiedelt sind, geraten am stärksten unter Druck. Dazu zählen insbesondere auch junge Gebrauchte und Leasingrückläufer, die einer scharfen Konkurrenz „prämierter“ schnell lieferbarer Neufahrzeuge ausgesetzt sind.

Wie kommt der Handel aus diesem Dilemma? Seine Gebrauchtwagen müssen für den Interessenten noch attraktiver gemacht werden. Sie müssen sozusagen neu positioniert werden. Erweiterte Garantieleistungen auf die Batterie und auch auf das  gebrauchte E-Auto an sich wären Optionen, da gerade bei Elektrofahrzeugen das Vertrauen in die Technik eine große Rolle spielt. Diese bietet der Neuwagen in vollem Umfang, Gebrauchte nur zum Teil. Gleichzeitig erleben wir bei den Elektrofahrzeugen noch schnellere Technologiesprünge bei kürzeren Lebenszyklen, sodass es für den Konsumenten scheinbar leichter fällt, sich für den prämierten Neuen zu entscheiden. Womöglich wird dies durch den Wandel an die Mobilitätsanforderungen einzelner Bevölkerungsgruppen (Stichwort „Homeoffice“) sogar noch beflügelt, sodass für Personen, die nun kürzere Strecken zurücklegen, eher ein E-Fahrzeug interessant wird.

Warum aber sind die Besitzumschreibungen so hochgegangen? Sicherlich arbeiten einige Zulassungsstellen wieder mit höherer Frequenz, aber grundsätzlich bleibt den Menschen ihre individuelle Mobilität wichtig – bei gleichzeitig geringerer Kapitalbindung. So greifen sie eher zum Gebrauchtwagen. Wenn es nun künftig beim Verkaufsgespräch um die Frage, ob prämiertes E-Auto oder junger Gebrauchter mit oder ohne Verbrenner, geht, wird noch stärker das Mobilitätsverhalten des Käufers eine Rolle spielen müssen. Die Bedarfsanalyse muss demnach deutlicher als sonst im Vordergrund sein und nicht der reine Nachlass durch Prämien.

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