Der Gebrauchtwagenmarkt im April 2020

Wovor sich der Kunde am wenigsten sorgen muss, ist, dass beim Handel Ansteckungsgefahr durch Corona droht. Anders scheint es mit dem Rabatt-Virus zu sein.

Die Zahlen des KBA vom April haben gezeigt, wie schwer der Automobilmarkt von der Corona-Pandemie getroffen wurde.

Nur 120.840 Pkw wurden neu zugelassen, das sind 61(!) Prozent weniger als noch im April 2019. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt wurden 352.519 Besitzumschreibungen registriert. Das sind 24% weniger als im ohnehin schon sehr schwachen März und 44% weniger als im April 2019. Kumuliert wurden in den ersten vier Monaten des Jahres 2.013.254 Gebrauchtwagenverkäufe registriert, das sind 17 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Den Corona-Virus scheint man in Deutschland im Griff zu haben. Aber wie sieht es mit dem Rabatt-Virus aus? Wir wissen noch nicht, wie sich die Kaufkraft in Deutschland entwickelt, aber wir wissen, dass das Herbeirufen einer Rabattschlacht – wie es verschiedentlich im Zusammenhang mit Corona zu lesen war – niemandem etwas bringt (außer vielleicht denjenigen, die Klickzahlen erzeugen möchten).

Nach dem großflächigen Shutdown fährt der Markt nun langsam wieder hoch. Autokaufplaner, die in den letzten Wochen ein Fahrzeug erwerben wollten oder auch mussten, werden jetzt von unterschiedlichen Seiten verunsichert. Kommt noch eine Kaufprämie? Kommt eine Abwrackprämie? Kommen weitere Nachlässe? Kann man alles miteinander kombinieren?

Es wird noch eine ganze Zeit dauern, bis der Markt wieder auf ein Normalmaß hochfährt. Fatal ist: Die Entscheidung über eine mögliche Prämie wird erst im Juni getroffen und tritt dann womöglich zu einem späteren Zeitpunkt in Kraft. Dadurch bleibt der gesamte Markt gelähmt.

Wer nun im Handel dringend Liquidität benötigt, wird bestimmt einen Teil seiner Fahrzeuge mit etwas höheren Nachlässen verkaufen. Und ja, es werden Leasingrückläufer, die – auch möglicherweise bedingt durch Vertragsverlängerungen – mit hohen Laufleistungen normalerweise ins Ausland abgeflossen wären, nun im Markt bleiben müssen. Da können die Werte stärker als sonst nachgeben. Einfach gesprochen: Wir wissen seit vielen Jahren, dass der Automobilmarkt in Deutschland nur dann gut funktioniert, wenn auch die Märkte um Deutschland herum gut funktionieren. Dies sollte man bei aller Evaluation unserer Situation hierzulande im Blick behalten.

Wovor sich der Kunde am wenigsten sorgen muss, ist, dass beim Handel Ansteckungsgefahr droht. Denn die Händler haben vor Ort umfangreiche Hygienekonzepte umgesetzt, Online-Kompetenzen auf- und ausgebaut sowie alles getan, um eine sichere Fahrzeugübergabe beim Kauf oder nach dem Werkstattbesuch zu ermöglichen. Die einzige Ansteckungsgefahr ist momentan also die mit dem Rabatt-Virus.

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