DAT Diesel-Barometer® Mai 2018: Die Fahrzeugsegmente

Hamburg prescht vor und will mit Fahrverboten Ernst machen. Was passiert mit den Werten der gebrauchten Dieselfahrzeuge? Die DAT hat sich für die neueste Ausgabe ihres Diesel-Barometers den Markt angesehen. Diesmal auch dezidiert nach Fahrzeugart. Denn die Werte entwickeln sich in den jeweiligen Fahrzeugsegmenten unterschiedlich.

 

 

 

 

Hier die Ergebnisse im Überblick:

  • Stabile Verkaufszahlen auf dem Automobilmarkt im Vorfeld angedrohter Fahrverbote in Hamburg:
    Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden bundesweit im April 2018 etwa 15.000 Diesel-Neuwagen weniger verkauft. Dagegen lagen die Besitzumschreibungen bei Diesel-Gebrauchtwagen mit 191.282 Einheiten knapp über dem April 2017 (190.998). Überkompensiert wurde diese Entwicklung im Neuwagenbereich durch knapp über 30.000 Benzin-Neuzulassungen und im Gebrauchtwagenmarkt durch ebenfalls etwa 30.000 Benzin-Besitzumschreibungen, jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat.
  • Neue und gebrauchte Diesel in einzelnen Segmenten weiterhin stark nachgefragt:
    Im Neuwagenmarkt dominierte der Dieselantrieb weiterhin auch im April 2018 die obere Mittelklasse und die Utilities mit jeweils 70 Prozent Marktanteil. Die beiden Extrempole waren die Minis mit 1 Prozent Dieselanteil und die Reisemobile mit 99 Prozent Diesel-Anteil. Bei den neu zugelassenen SUVs ist der Dieselanteil dagegen auf 36 Prozent gesunken. Zum Vergleich: Im April 2014 lag er noch bei 65 Prozent.
    Im Gebrauchtwagenmarkt ist die Mittelklasse etwa zur Hälfte von Diesel- und Benzin-Pkw geprägt, bei den SUVs liegt der Dieselanteil bei 54 Prozent. Großraum-Vans (Diesel-Anteil: 59 Prozent), Utilities (81 Prozent) und die obere Mittelklasse (Diesel-Anteil: 60 Prozent) sind klassische Diesel-Segmente auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Insgesamt liegt der Diesel-Anteil bei Gebrauchtwagen in 8 von 11 Segmenten prozentual höher als in den vergleichbaren Neuwagen-Segmenten.
  • „Hybridisierung“ der neuen Diesel-Modelle:
    Die Zulassungsstatistik der Oberklasse wird seit dem Jahreswechsel scheinbar von einer überproportionalen Zunahme an Hybridfahrzeugen geprägt. Nach den aktuellen KBA-Zahlen für April 2018 verfügt knapp jeder dritte Oberklassewagen (29 Prozent) über einen Hybridantrieb. Gemäß dem EmoG (Elektromobilitätsgesetz) werden beispielsweise die neuen Modelle der Baureihen Audi A7 und A8 mit 48 Volt-Bordnetz als Mild-Hybrid und nicht als Benzin- oder Dieselfahrzeuge (Dieselaggregate haben derzeit einen Anteil von 31 Prozent im Oberklassesegment) zugelassen. Das ist bei der Analyse der Daten zu berücksichtigen. Benzin-Modelle sind in diesem Marktsegment mit 32 Prozent vertreten. Zum Vergleich: Im gleichen Betrachtungszeitraum des Jahres 2014 (Januar bis April) lag der Anteil der Diesel-Neuzulassungen in der Oberklasse bei 62 Prozent, der Benzin-Anteil bei 32 Prozent. Hybridfahrzeuge wurden 2014 nicht separat ausgewiesen, sondern unter „Sonstige“ zusammengefasst.
  • Diesel-Gebrauchtfahrzeugwerte der Mittelklasse unter dem Durchschnitt: Die Diesel-Gebrauchtfahrzeuge der Mittelklasse zeigen einen ähnlichen Wertverlauf wie der Gesamtmarkt, allerdings etwa 4 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass besonders die Mittelklasse von Leasingfahrzeugen geprägt ist, die in großen Stückzahlen und mit ähnlicher Ausstattung nach Ablauf der Leasingzeit wieder in die Vermarktung beim Handel kommen. Dadurch gelangen die Werte unter Druck. Ende 2017 haben die Diesel-Werte deutlich nachgegeben, während sich die Benziner stabilisierten. Seit Beginn des Jahres 2018 verläuft die Kurve der Diesel-Gebrauchtfahrzeugwerte ohne Auffälligkeiten linear und parallel zu den Benzinwerten.
  • Fahrzeugwerte des Gesamtmarkts zeigen normalen Verlauf: Die Werte der Diesel-Gebrauchtwagen verlaufen seit Jahresbeginn im Bundesdurchschnitt linear und ohne Auffälligkeiten. Wegen der stark angespannten Diesel-Situation sind regional hohe Abweichungen bei den Gebrauchtwagen-Verkaufspreisen je nach Fabrikat möglich. Die gebrauchten Benziner verbleiben auf hohem Niveau stabil.
  • Standtage zeigen leichte Entspannung: Seit Jahresbeginn sind die Standtage der Diesel-Gebrauchtwagen beim Handel auf 100 Tage leicht gesunken. Gleiches gilt für die Benziner, die 81 Tage stehen, bevor sie verkauft werden. Während die Diesel damit noch etwas über dem Vorjahreswert von 94 Tagen liegen, konnten sich die Benziner einen Tag schneller als noch im April 2017 verkaufen

  • Ein Drittel der gebraucht gehandelten Diesel-Fahrzeuge verfügt bereits über die Euro-6-Norm: Die Auswertung der Diesel-Besitzumschreibungen nach Euro-Normen zeigt, dass Gebrauchte mit Euro-4 und kleiner weiterhin nachgefragt werden. Sie liegen in absoluten Zahlen und prozentual über den Euro-6-Dieseln. Den niedrigsten Anteil prozentual und absolut haben derzeit Euro-5-Dieselgebrauchtwagen, von denen aufgrund der hohen Dynamik des Marktes unter Umständen zahlreiche Pkw bereits in den Export gegangen sein dürften.

 

„Die jüngst angekündigte Klage der EU gegen Deutschland wegen der Nicht-Einhaltung der Grenzwerte in zahlreichen Städten wird sich erst in vier bis acht Wochen bei den Gebrauchtfahrzeugwerten für Diesel-Modelle ablesen lassen. Ob diese dadurch zusätzlich belastet werden, ist allerdings fraglich, da die betroffenen Verbraucher und Automobilbetriebe ja inzwischen ein ganzes Füllhorn an unterschiedlichen Hiobsbotschaften im Zusammenhang mit Dieselmotoren verkraften mussten und der Handel mit den entsprechenden Fahrzeugen mit Blick auf die KBA-Zahlen dennoch nicht zum Erliegen kam. Einen deutlich schwerwiegenderen Einfluss auf den Gebrauchtfahrzeugmarkt dürften allerdings die demnächst zu erwartenden Berichte über tatsächlich verhängte Fahrverbote in Hamburg haben. Die damit verbundenen Nutzung von Ausweichstrecken bzw. die Verlagerung der Emissionen in andere Stadtteile, die Unklarheiten für Ausnahmeregelungen und Kontrollaktivitäten und nicht zuletzt die im angrenzenden Hafengelände schwimmenden Schadstoffmonster werden voraussichtlich für noch mehr Verunsicherung bei Verbrauchern und Handel sorgen. Vor diesem Hintergrund kann ich allen Kaufinteressenten nur raten, ihren Mobilitätsbedarf genau zu analysieren. Wenn sie z.B. zu den zwei Dritteln der Deutschen zählen, die nicht in Großstädten leben, ist die Wahrscheinlichkeit, jemals von temporären und streckenbezogenen Fahrverboten betroffen zu sein, außerordentlich gering. Auch gibt es für Fahrerinnen und Fahrer, die mehr als 20.000 Kilometer pro Jahr zurücklegen in absehbarer Zeit noch keine echte Alternative zum Dieselantrieb. Wegen der aktuell günstigen Preise kommen für beide Rahmenbedingungen durchaus auch Euro-5-Diesel in Betracht“, erklärt Jens Nietzschmann, DAT-Geschäftsführer.

 

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Über die DAT

Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) ist ein international tätiges Unternehmen der Automobilwirtschaft, das umfassende Kraftfahrzeugdaten erhebt, ergänzt, erstellt, aufbereitet, strukturiert und dem Markt dann flächendeckend über unterschiedlichste Medien zur Verfügung stellt. Die DAT versteht sich als neutrales Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen der Automobilbranche und wird seit über 87 Jahren von ihren Gesellschaftern VDA, VDIK und ZDK getragen. Ein aus verschiedenen Verbraucherverbänden gebildeter Beirat überwacht unter der Leitung des ADAC die Aktivitäten und insbesondere die Wahrung der uneingeschränkten Neutralität der DAT im Sinne der privaten und gewerblichen Verbraucher.

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Über das DAT Diesel-Barometer

Das DAT Diesel-Barometer ist eine Momentaufnahme aus primär- und sekundärspezifischen Daten des Automarkts. Die Wertverläufe und Standzeiten ermittelt die DAT aufgrund der Transaktionspreise und weiterer Informationen, die vom Automobilhandel an die DAT übermittelt werden. Es handelt sich hierbei nicht um Angebotspreise in Internet-Fahrzeugbörsen, sondern um tatsächliche Gebrauchtwagen-Verkaufspreise vom Handel an Endverbraucher. Gebrauchtfahrzeugwerte und zahlreiche weitere Informationen können über das Produkt „SilverDAT“ abgefragt werden, das Automobilbetrieben u.a. zur professionellen Wertermittlung, Reparaturkostenkalkulation und Schadenmanage von der DAT zur Verfügung gestellt wird.

Die Marktzahlen zu Neuzulassungen und Besitzumschreibungen stammen vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg, die monatlich der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. (http://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/fahrzeuge_node.html)

Das DAT Diesel-Barometer wird seit April 2017 auf https://dieselbarometer.dat.de publiziert.

 

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