DAT Diesel-Barometer Oktober

So entscheiden die Fuhrparks, so beurteilen Endverbraucher das Thema Elektromobilität und das ist die Situation beim Autohandel.

 

DAT Diesel-Barometer im Oktober zeigt hohe Bedeutung des Dieselantriebs in den Pkw-Fuhrparks

(alle Infos und alle Grafiken sind auf https://dieselbarometer.dat.de )

 

  • 85 Prozent der Pkw in Fuhrparks sind Diesel-Pkw, die große Mehrheit bereits mit Euro-6-Diesel
  • Bestellungen von modernen Diesel-Pkw aufgrund der Verzögerungen bei der WLTP-Messung für Fahrzeugflotten noch problematisch
  • Weniger als die Hälfte der Fuhrparkleiter plant alternative Antriebe in der Flotte
  • Für Elektro-Pkw würden aus Fuhrparksicht vor allem steuerliche und politische Rahmenbedingungen sprechen
  • Endverbraucher scheuen Elektrofahrzeuge aus Sorgen der Reichweite und der Anschaffungskosten
  • Pkw-Markt im September vor allem wegen Verzögerungen bei WLTP-Messungen rückläufig
  • Gebrauchtfahrzeugwerte entwickeln sich im normalen Rahmen
  • Situation beim Handel wegen hoher Standtage weiter angespannt

 

Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hat das aktuelle DAT Diesel-Barometer publiziert. Die bislang umfangreichste Erhebung von Zahlen in dieser monatlichen Publikation zeigt die Situation in den Fuhrparks, erklärt die Haltung von Endverbrauchern zum Thema Elektromobilität und wirft einen Blick auf die Situation beim Autohandel und den Markt insgesamt.

Hier die Ergebnisse im Überblick:

  1. Fuhrparkleiter setzen weiterhin auf den Diesel: Die große Mehrheit der befragten Fuhrparkleiter (84 Prozent) bestellt weiterhin neue Diesel-Pkw für den Einsatz in der Dienstwagenflotte. 20 Prozent der dienstwagenberechtigten Fahrer, die ihren Pkw selbst aussuchen / konfigurieren dürfen, bestellen auch andere Antriebsarten.
     
  2. „WLTP-Situation“ sorgt für Verzögerungen bei den Bestellungen: Die Einkaufskonditionen für Diesel-Pkw haben sich im Vergleich zum Vorjahr von 2 auf 22 Prozent deutlich verschlechtert. Hauptgründe dürften die Verzögerungen bei den Messungen nach dem neuen WLTP-Zyklus sein. Dies führt dazu, dass 60 Prozent der Fuhrparkleiter die Fahrzeuge länger als geplant im Fuhrpark halten.
     
  3. Alternative Antriebe in Pkw-Flotten wenig gefragt: Mittelfristig planen weniger als die Hälfte der Fuhrparkleiter (48 Prozent) die Anschaffung von Pkw mit alternativen Antrieben. Dies ist deutlich weniger als noch vor einem Jahr (55 Prozent).
     
  4. Steuerliche / politische Rahmenbedingungen können Anreiz für Elektro-Pkw sein: 58 Prozent der Fuhrparkleiter sehen Anreize für E-Fahrzeuge bei steuerlichen und politischen Rahmenbedingungen. Wichtig bleiben aber auch die eigene Car-Policy und die damit verbundenen CO2-Richtlinien, die sich die Firmen selbst gesetzt haben.
     
  5. Fuhrparks fahren vor allem moderne Diesel: 85 Prozent der in den Fuhrparks vorhandenen Pkw fahren mit Dieselmotoren, davon nur noch 17 Prozent mit der Emissionsklasse Euro-5. Alternative Antriebe spielen mit 4 Prozent eine untergeordnete Rolle.
     
  6. 2/3 der Endverbraucher fahren Benziner: 66 Prozent der für das DAT Diesel-Barometer befragten Endverbraucher fahren aktuell einen Benziner, 32 Prozent einen Diesel. Alternative Antriebe sind bei 2 Prozent der Befragten vorhanden.
     
  7. Reichweite von E-Autos spricht gegen Kauf: 69 Prozent der Befragten Endverbraucher wird sich derzeit kein Elektroauto kaufen, da sie die begrenzte Reichweite als hinderlich sehen. Weitere Gründe sind die noch hohen Anschaffungskosten (62 Prozent) und die noch unausgereifte Infrastruktur von Ladestationen (42 Prozent).
     
  8. Präferenz für Hybrid statt für E-Auto: Wenn es keine klassischen Verbrennungsmotoren mehr gäbe, würden sich 66 Prozent der Befragten für ein Hybridfahrzeug entscheiden. Reine Elektro-Pkw und E-Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerer („Range Extender“)  kämen nur für 1/3 der Endverbraucher infrage.
     
  9. Umweltfreundlichkeit von E-Autos v.a. von Dieselfahrern kritisch gesehen: Von allen befragten Endverbrauchern halten 45 Prozent E-Autos für umweltfreundlicher als Verbrenner. Von den Dieselfahrern sind nur 39 Prozent dieser Meinung. Bei der Befragung sollte der gesamten Lebenszyklus (u.a. Produktion, Nutzung, Recycling, etc.) beachtet werden. Mit 17 und 14 Prozent ist der Anteil derer, die dazu keine Angabe machen konnten oder wollten, relativ hoch.
     
  10. Pkw-Markt im September erwartungsgemäß im Minus: Aufgrund von Vorzieheffekten im Gebrauchtwagenmarkt und wegen Lieferschwierigkeiten auf dem Neuwagenmarkt sind die beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) registrierten Zahlen im September deutlich nach unten gegangen. Dennoch liegt der Neuwagenmarkt 2,4 Prozent im Plus, der Gebrauchtwagenmarkt nur 1,5 Prozent im Minus.
     
  11. Gebrauchtfahrzeugwerte weiter ohne Auffälligkeiten: Für dreijährige gebrauchte Benzin-Pkw werden im bundesweiten Durchschnitt 57,3 Prozent des ehemaligen Listenneupreises erzielt. Vergleichbare Diesel liegen aktuell bei 52,4 Prozent.Wegen der weiterhin stark angespannten Diesel-Situation sind regional hohe Abweichungen bei den Gebrauchtwagen-Verkaufspreisen je nach Fabrikat möglich.
     
  12. Standzeiten von Gebrauchtwagen leicht gestiegen: Um zwei Tage sind im Vergleich zum Vormonat die Standtage von gebrauchten Diesel- und Benzin-Pkw gestiegen. Vom Zeitpunkt der Hereinnahme / Ankauf des Pkw bis zum Verkaufsdatum vergehen bei Diesel-Gebrauchtwagen 105, bei Benzin-Gebrauchtwagen 82 Tage.

 

„Die Dieseldiskussion hat für die CO2-Bilanz und die Entwicklung zu einer besseren Umweltbilanz von Fahrzeugflotten fatale Auswirkungen. Der Diesel-Anteil liegt mit 85 Prozent in den Fuhrparks zwar unvermindert sehr hoch – über 80 Prozent davon mit der umweltfreundlichen Euro-6-Norm. Doch obwohl es für Langstrecken noch keine ökologisch besseren Alternativen gibt, tendieren die Einkäufer und User-Chooser dazu, auf Benziner auszuweichen und nicht auf Elektromobilität oder andere Alternativen. Wir befürchten, dass die vorherrschende Diesel-Hysterie im schlechtesten Fall auch die Hersteller davon ablenkt, sich um die Entwicklung neuer und Verbesserung der vorhandenen Alternativen intensiv zu kümmern.“ Axel Schäfer, Geschäftsführer Bundesverband Fuhrparkmanagement.

 

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Über die DAT

Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) ist ein international tätiges Unternehmen der Automobilwirtschaft, das umfassende Kraftfahrzeugdaten erhebt, ergänzt, erstellt, aufbereitet, strukturiert und dem Markt dann flächendeckend über unterschiedlichste Medien und Softwarelösungen zur Verfügung stellt. Die DAT versteht sich als neutrales Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen der Automobilbranche und wird seit über 87 Jahren von ihren Gesellschaftern VDA, VDIK und ZDK getragen. Ein aus verschiedenen Verbraucherverbänden gebildeter Beirat überwacht unter der Leitung des ADAC die Aktivitäten und insbesondere die Wahrung der uneingeschränkten Neutralität der DAT im Sinne der privaten und gewerblichen Verbraucher.

 

Über das DAT Diesel-Barometer®

Das DAT Diesel-Barometer ist eine Momentaufnahme aus primär- und sekundärspezifischen Daten des Automarkts. Die Gebrauchtfahrzeugwerte entstammen dem Produkt „SilverDAT“, das Automobilbetrieben u.a. zur professionellen Wertermittlung von der DAT zur Verfügung gestellt wird. Mit der monatlichen Darstellung thematisch gebündelter Fakten soll das DAT Diesel-Barometer einen Beitrag zur Versachlichung der derzeit in der Branche und den Medien geführten Diskussion leisten. Bestandteil der Publikation sind u.a. die Ergebnisse von intensiver Beobachtung des Marktes (z.B. Gebrauchtfahrzeugwerte und Standtage) und von repräsentativen Befragungen von Verbrauchern, Automobilbetrieben und weiteren Branchenplayern durch Marktforschungsinstitute. Ein Expertenkreis von Automobilhändlern und Branchenvertretern trifft sich zudem regelmäßig bei der Deutschen Automobil Treuhand in Ostfildern bei Stuttgart, um die Ergebnisse des Diesel-Barometers zu besprechen.

Methodik: Das DAT Diesel-Barometer ist eine Momentaufnahme aus primär- und sekundärspezifischen Daten des Automarkts. Fuhrparkleiterbefragung: Im Auftrag der DAT wurden 161 Online-Interviews über TeleResearch durchgeführt (Feldzeit: 17. bis 26.09.2018). Da keine amtlichen Daten zur Anzahl und Struktur der Betriebe mit Fuhrparks vorliegen, handelt es sich um eine Trendstudie. Befragt wurden Fuhrparkleiter aus Industrie, Gewerbe, Handel und öffentlichem Dienst, die mind. zwei Kriterien erfüllen: 1.) zuständig für das Fuhrparkmanagement, 2.) beteiligt oder zuständig bei der Auswahl und Steuerung etwaiger Fuhrparkmanagement-Dienstleister, 3.) beteiligt an der Frage der Pkw-Finanzierung. Verbraucherbefragung: Im Auftrag der DAT wurde eine repräsentative Stichprobe von 1.015 Online-Interviews (CAWI) über die GfK im Zeitraum 11. bis 14.09.2018 durchgeführt. Die Datengewichtung erfolgte nach Fahrzeugbestand (Marke u. Motorart).

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