DAT-Barometer im September analysiert Corona-Lage und E-Mobilität

Mehr Beschäftigung mit E-Mobilität, klassische Verbrenner bleiben präferierte Antriebsart. Corona sorgt für Überlegungen, ein weiteres Fahrzeug anzuschaffen.

  • Knapp ein Drittel der Pkw-Halter hat sich wegen der E-Prämien intensiver mit Elektromobilität beschäftigt
  • Verbrenner bleiben präferierte Motorart, wenn Pkw-Kauf anstünde
  • Überlegungen zur Anschaffung eines zusätzlichen Pkw wegen Corona gestiegen
  • Fahrleistung nahezu wieder auf Vor-Corona-Niveau
  • Sorgen um die eigene Zukunft wegen Corona weiterhin hoch
  • Nachfrage nach Gebrauchtwagen weiter stabil, Neuwagenmarkt deutlich rückläufig

 

Ostfildern (24.09.2020) – Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH hat in einer repräsentativen Umfrage bei Pkw-Haltern die Situation rund um Corona und die Sicht auf Elektromobilität analysiert.

Hier die Ergebnisse zum Automobilmarkt im Überblick:

  • Fahrzeugmarkt im August rückläufig: Nach einem starken Juli war die Zahl der neu zugelassenen Pkw laut KBA mit etwas über 250.000 Einheiten wieder rückläufig. Zum Vormonat fehlen 20%, kumuliert zum Vorjahreszeitraum wurden von Januar bis August 29% weniger Pkw neu zugelassen. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt sanken die Besitzumschreibungen von Juli zu August 2020 mit aktuell knapp unter 630.000 Einheiten um 16%. Kumuliert in den ersten acht Monaten fehlen 6% zum vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
  • E-Autos und Plug-In-Hybride wieder etwas weniger gefragt: Nach KBA-Informationen ist der vorläufige Höchststand von 19.119 neu zugelassener Plug-In-Hybride im Juli 2020 nun aktuell im August auf 17.095 Einheiten gefallen. Bei den Elektroautos sank die Nachfrage von 16.798 auf 16.076 Einheiten. Dies sind dennoch weiterhin hohe Stückzahlen für diese elektrifizierten Fahrzeuge, der Rückgang zum Vormonat spiegelt das aktuelle Marktgeschehen bei den Neuzulassungen wider.
  • Intensivere Beschäftigung mit E-Mobilität bei knapp einem Drittel Pkw-Halter: Die Aussage: „Die Elektro-Prämien der Bundesregierung und Pkw-Hersteller haben dazu geführt, dass ich mich intensiver als bisher mit der Elektromobilität beschäftigt habe“ bestätigten 29% aller befragten Pkw-Halter. Besonders hoch war die Zustimmung bei der Teilgruppe der Unter-30-Jährigen (43%) und bei den Befragten in den Großstädten (32%).
  • Klassische Verbrenner bleiben die meist gewählte Antriebsform: Den Pkw-Haltern wurde die Frage gestellt: „Wenn Sie sich jetzt ein Auto kaufen würden bzw. müssten, für welche Motorart würden Sie sich am wahrscheinlichsten entscheiden?“. An der Spitze stand der Benziner mit 43%, gefolgt von  Hybriden/Plug-In-Hybriden (29%). Dieselfahrzeuge wären von 15% der Befragten die präferierte Wahl, einen Gasantrieb würden 3% wählen. Für ein reines Batteriefahrzeug würden sich 10% entscheiden.
  • Standzeit von Gebrauchtwagen beim Handel weiter gesunken: Aufgrund der weiterhin stabilen Nachfrage nach Gebrauchtwagenwagen konnten die Händler ihre Fahrzeuge schneller verkaufen. Im Schnitt stand ein Diesel-Pkw 87 Tage, ein Benziner 85 Tage, bevor er verkauft wurde. Dies ist ein deutlicher Rückgang zu den vergangenen Monaten.
  • Fahrzeugwerte bleiben in stabilem Korridor: Der Handel kann aktuell für dreijährige Gebrauchtwagen aufgrund der Nachfrage relativ stabile Preise erzielen. Benziner konnten für 56,1% ihres ehemaligen Listenneupreises, Diesel für 52,0% verkauft werden.

 

Zu Corona konnten folgende Ergebnisse ermittelt werden:

  • Weiterhin große Sorge wegen Corona: 60% sehen die Bedrohung in Deutschland durch Corona als sehr groß/groß. Dies ist zwar ein leichter Rückgang zum Mai 2020 (64%), aber dennoch auf hohem Niveau. Sorgen um die persönliche Zukunft machen sich aktuell 43% – auch dies ein leichter Rückgang zum Mai um sechs Prozentpunkte. Gar keine Bedrohung wegen Corona sehen weiterhin nur 7% der Befragten, und 18% machen sich keinerlei Sorgen um die persönliche Zukunft.
  • Überlegung zur Anschaffung eines weiteren Pkw gestiegen: 16% aller befragten Pkw-Halter bestätigten die Aussage „Wir überlegen uns für unseren Haushalt ein weiteres Auto anzuschaffen, damit auch mein Partner oder möglichst viele Personen im Haushalt ‚kontaktlos mobil‘ sein können.“ Im Mai lag dieser Wert noch bei 12%. Besonders stark ausgeprägt war diese Haltung bei jungen Pkw-Haltern unter 30 Jahren. Sie stieg dort seit Mai von 23% auf 31%. Ähnlich ausgeprägt war die Steigerung bei Mehrpersonenhaushalten mit Kindern (von 24% auf 31%).
  • Fahrleistung nahezu wieder auf Vor-Corona-Niveau: Aktuell legen die Pkw-Halter im Schnitt 4% weniger Strecke zurück als in der Zeit vor dem Corona-Lockdown. Während der Lockdown-Phase wurden 25% weniger Kilometer zurückgelegt. Jüngere Halter fahren aktuell sogar mehr Kilometer (z.B. +7% bei den 30-39-Jährigen), ältere dagegen noch weniger (z.B. die Generation 60+ fährt aktuell 8% weniger als vor dem Lockdown).

 

Jens Nietzschmann, DAT-Geschäftsführer: „Corona und die von der EU geforderten CO2-Grenzwerte symbolisieren gleich zwei extreme Herausforderungen. Hersteller, Zulieferer, Importeure und Handel sind davon betroffen – jeder auf seine Weise, aber dennoch schicksalshaft miteinander verbunden. Eine Verbindung der etwas anderen Art – zwischen Corona und der Autobranche – kam zuletzt vom ehemaligen ifo-Präsidenten, Hans-Werner Sinn, in der ZDF-Talkshow Markus Lanz vom 18.8.2020: Er meinte sinngemäß: Während man Impfstoffe gegen Corona teste und deren Wirksamkeit prüfe, so presche man bei den Regularien rund um die CO2-Emissionen voran, ohne zu wissen, was das am Ende bringe. Man erreiche diese Grenzwerte nur, wenn man E-Autos in den Markt bringe, laufe dabei aber Gefahr, so Sinn, die deutsche Schlüsselindustrie kaputt zu machen.

In solchen Fällen bietet sich an, die nüchterne Sicht der Endverbraucher zu ermitteln: 29% der Pkw-Halter beschäftigen sich wegen der Prämien intensiver mit Elektromobilität. Knapp 17.000 reine Batteriefahrzeuge und gut 19.000 Plug-In-Hybride markierten im Juli einen Peak bei den Neuzulassungen, im August lagen die Zahlen darunter. Aus Sicht der Pkw-Halter bleibt der Verbrenner derzeit die erste Wahl – sowohl in harten KBA-Zahlen, als auch bei der Absichtserklärung für den nächsten Pkw-Kauf. Hinzu kommt: Wenn die Überlegungen, sich einen weiteren Pkw anzuschaffen, auch durch Corona beflügelt werden, so stellt sich dann doch die Frage, ob sich insbesondere die 18- bis 29-Jährigen als stärkste Befürworter eines Zweitwagens dann für ein E-Auto oder einen Verbrenner entscheiden.“

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