DAT-Barometer im Juli fokussiert alternative Antriebe

Sehr viele Diesel- und Benzin-Pkw fallen in der KBA-Statistik aufgrund ihrer „Mildhybridisierung“ in die Sparte der alternativen Antriebe.

  • Neuwagenzahlen weiter deutlich unter Vorjahr
  • Gebrauchtwagenmarkt zeigt Erholungstendenzen
  • Boom-Segment der Wohnmobile mit 99% Dieselanteil
  • Gesunde Skepsis bei „alternativen Antrieben“ gefragt
  • Umweltbonus besonders von gewerblichen Kunden beantragt
  • Gebrauchtwagenwerte von E-Autos leicht unter den Benzinern

 

Ostfildern (23. Juli 2020) – Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) hat im aktuellen DAT-Barometer die Situation rund um alternative Antriebe analysiert. Besonders die Pkw mit Mildhybridantrieb sind hierbei aufgefallen.

Hier die Informationen im Überblick, alle Grafiken finden Sie auf barometer.dat.de:

  • Neuwagenmarkt weiter deutlich unter Vorjahr: Im Juni wurden 220.272 Pkw neu zugelassen. Das sind 32,3% weniger als im Vorjahresmonat. Kumuliert wurden seit Januar 1,2 Mio. Pkw und damit 34,5% weniger Fahrzeuge neu zugelassen als im gleichen Zeitraum 2019.
  • Gebrauchtwagenmarkt zeigt erste Erholungstendenzen: 638.463 Gebrauchtwagen wechselten im Juni den Besitzer, das sind 14% mehr als im Juni 2019. Seit Jahresbeginn ist der Gebrauchtwagenmarkt auf 3,2 Mio. Einheiten gewachsen. Dies sind allerdings immer noch 11% weniger als im Vorjahr.
  • Wachstums-Segment Wohnmobile: Während bei den Neuzulassungen alle Fahrzeugsegmente im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich zweistellig negative Entwicklungen aufweisen, wuchsen Wohnmobile/Reisemobile gegenüber Juni 2019 um 62%. Insgesamt fielen zwar nur 4% aller Juni-Neuzulassungen in dieses Segment, dennoch zeigt dies eine coronaunterstützte Entwicklung: Urlaub mit dem Reisemobil wird immer beliebter. Zudem sticht dieses Segment mit 99% Dieselanteil deutlich vor den anderen hervor.
  • Gesamt-Dieselanteil bei 31%: Alle Juni-Neuzulassungen gegliedert nach Antriebsart offenbaren einen statistischen Dieselanteil von 31%. Benziner bilden mit 51% die Mehrheit, 18% entfallen auf alternative Antriebe. Diese wiederum bestehen zu 21% aus rein batterieelektrisch angetriebenen Pkw, 27% Plug-In-Hybriden und 49% aus Hybrid/Mildhybridfahrzeugen. Gasfahrzeuge spielen mit 3% kaum eine Rolle.
  • Kritische Betrachtung der Mildhybridfahrzeuge gefragt: Die obere Mittelklasse ist mit 3% an allen Neuzulassungen im Juni ein kleines Segment, zeigt aber eine Entwicklung bei den Antriebsarten, die mit gesunder Skepsis betrachtet werden muss. Im Detail wird sich dies bei der Marke Audi deutlich, die mit den Modellen A6, S6 und RS6 an der Spitze der Neuzulassungen in diesem Segment liegt. Von allen 2.849 Fahrzeugen dieses Herstellers zählen laut KBA-Systematik 2.843 zu den Pkw mit alternativen Antrieben. Lediglich sechs einzelne Diesel-Pkw fallen in die Kategorie der Verbrenner. Von den 2.843 Einheiten, die zu den alternativen Antrieben gerechnet werden, verfügen 108 Fahrzeuge über einen Plug-In-Hybrid. Die übrigen 2.735 werden von einem Benzin- oder Dieselmotor angetrieben, der Unterstützung von einem 48-Volt-Startergenerator erhält. Rein elektrisch können diese Fahrzeuge allerdings nicht fahren. Die in der Juni-Statistik ebenfalls zu den Top-3-Modellen zählenden 5er BMW und Mercedes E-Klasse haben deutlich weniger Mildhybridfahrzeuge: 43% bzw. 49% zählen dort zu den Dieselfahrzeugen. In der Kompaktklasse zeigt die Analyse der Top-3-Modelle (VW Golf, Ford Focus und Škoda Octavia) ein anderes Bild: Mildhybrid-, Elektro- oder Plug-In-Hybridantrieb machen bei den neu zugelassenen Golf 12% aus. Beim Ford Focus und beim Škoda Octavia wurden im Juni mit Ausnahme von 4% neu zugelassenen Gasfahrzeugen (beim Škoda Octavia) ausschließlich reine Verbrenner zugelassen.
  • Hoher gewerblicher Anteil bei BAFA-Anträgen: Eine spezielle Auswertung der Anträge auf den Umweltbonus über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zeigt im Quartalsverlauf eine deutlich zunehmende Aktivität der gewerblichen Kunden speziell bei den Plug-In-Hybridfahrzeugen. 8.079 Anträge waren es in Q2 des Jahres 2020, während private Endverbraucher mit 2.447 Anträgen in der Statistik verzeichnet wurden. Besonders die steuerlichen Vorteile für Dienstwagenfahrer spielen hierbei eine Rolle. Bei den rein batterieelektrischen Pkw liegt der Anteil der gewerblichen Antragsteller ebenfalls über den privaten. Zuletzt waren es 6.346 gewerbliche Anträge (entspricht 56%) und damit nur etwas mehr als bei den privaten Antragstellern (5.231 Anträge im 2. Quartal 2020).
  • Werte gebrauchter Elektrofahrzeuge knapp unter denen der Benziner: Mit 54,3% vom ehemaligen Listenneupreis liegen dreijährige Elektrofahrzeuge knapp unter den vergleichbaren Benzinern (54,9%). Dieselgebrauchtwagen erreichen 50,9%. Der Wertverlauf im Trend zeigt nahezu parallele Kurven. Ein Auseinanderdriften wie zu Zeiten der Diskussion um Fahrverbote konnte nicht beobachtet werden.

 

Kommentar von Martin Weiss, Leiter DAT-Marktbeobachtung: „Die aufgrund der Innovations- bzw. Umweltprämie stark rabattierten Elektro- und Hybridfahrzeuge sorgen für sehr viel Veränderung am Markt. Günstige Modelle profitieren am stärksten davon, da sich deren Listenneupreis dadurch teilweise halbiert. Eine solche Abwertung erfahren diese Fahrzeuge in der Regel erst nach zwei bis drei Jahren. Somit werden diese Prämien einen nachhaltigen Einfluss auf das allgemeine Wertniveau von gebrauchten Elektrofahrzeugen haben. Erste Beobachtungen am Gebrauchtwagenmarkt zeigen bereits, dass die Preise für bereits verfügbare gebrauchte Elektrofahrzeuge schon heute unter Druck geraten.

Was die Klassifizierung von alternativen Antriebsarten betrifft, so sehen wir diese mit einer gesunden Skepsis. Sehr viele Diesel- und Benzin-Verbrennerfahrzeuge mit ihrem Mildhybridmodul verfälschen durch die Zuordnung zu den alternativen Antrieben das Gesamtbild vom Markt. Am deutlichsten sichtbar wird dies bei der oberen Mittelklasse, da hier die ‚Mildhybridisierung‘ am weitesten fortgeschritten ist.“

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Über die DAT

Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) ist ein international tätiges Unternehmen der Automobilwirt-schaft, das umfassende Kraftfahrzeugdaten erhebt, ergänzt, erstellt, aufbereitet, strukturiert und dem Markt dann flächendeckend über unterschiedlichste Medien und Softwarelösungen zur Verfügung stellt.

Die DAT versteht sich als neutrales Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen der Automobilbranche und wird seit knapp 90 Jahren von ihren Gesellschaftern VDA, VDIK und ZDK getragen. Ein aus verschiedenen Verbraucherverbänden gebildeter Beirat überwacht die Aktivitäten und insbesondere die Wahrung der uneingeschränkten Neutralität der DAT im Sinne der privaten und gewerblichen Verbraucher.

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