DAT-Barometer analysiert Firmenfuhrparks im Corona-Lockdown

Die Ergebnisse zeigen eine Spanne von „katastrophale Lage“ bis „alles läuft normal derzeit“.

  • Dramatische Situation durch geschlossene Zulassungsstellen und Autohäuser
  • Leasingverträge der Pkw werden z.T. verlängert, eigene Poolfahrzeuge oder Mietwagen als Interimslösung
  • Marktanalyse im ersten Corona-Monat
  • Antriebsarten im Fuhrpark und deren Nutzung

 

Ostfildern (23. April 2020) – Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH hat ihr monatliches DAT-Barometer publiziert. Schwerpunktthema ist diesmal die Situation in den Fuhrparks. Basis ist eine Befragung von Fuhrparkleitern und die Auswertung von Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA).

Alle Grafiken und Texte haben wir in diesem PDF und auf der Webseite https://barometer.dat.de/ hinterlegt. 

Hier die Ergebnisse im Überblick:

 

  1. Marktzahlen im März drastisch zurückgegangen: Durch den Lockdown und die damit verbundene gesetzliche Anordnung, den Automobilhandel zu unterbinden, konnten kaum Pkw gehandelt oder zugelassen werden. Das galt für neue und gebrauchte Fahrzeuge gleichermaßen. Im März 2020 wurden somit nur noch 215.119 Pkw neu in Deutschland zugelassen, 10% weniger als im Vormonat und 38% weniger als im März 2019. Ähnlich waren die Zahlen auf dem Gebrauchtwagenmarkt: Mit 462.576 Besitzumschreibungen lagen die Zahlen 18% unter dem Vormonat und 26% unter dem März 2019. Die für den Autohandel sehr starken Monate März und April blieben somit nahezu aus.
     
  2. Gewerbliche Neuzulassungen machen zwei Drittel aller Neuzulassungen aus: Mit Ausnahme des Abwrack-Jahrs 2009 liegen die gewerblichen Neuzulassungen in der Regel deutlich über den privaten – meist im Verhältnis 2/3 zu 1/3. Dies war auch im ersten Quartal 2020 der Fall. Betrachtet man alle in Deutschland zugelassenen Pkw zum Stichtag 1. Januar 2020, so machen von 47 Mio. Fahrzeugen alle gewerblichen Halter nur 11% aus. Die große Mehrheit bewegt das Automobil als Privatperson.
     
  3. Auswirkungen geschlossener Zulassungsstellen und Autohäuser: Der Lockdown hat für Fuhrparkleiter starke negative Effekte auf die Zulassung und Abholung/Übergabe bereits bestellter Fahrzeuge. Als Alternative würden 76% der Fuhrparkleiter Vertragsverlängerungen bestehender Fahrzeuge annehmen, 19% nicht. Als weitere Alternative nutzen 62% der Befragten eigene Poolfahrzeuge oder Pkw von Autovermietern (46%). Carsharing-Angebote sehen nur 5% als Alternative für den Erhalt der Mobilität.
    In der Befragung der Fuhrparkleiter konnten diese von ihren Erfahrungen mit den Zulassungsstellen berichten. Diese reichen von „katastrophale Lage“ bis „alles läuft normal derzeit“. Kritisch ist es aus Sicht eines Fuhrparkleiters, „wenn Altfahrzeuge nicht zurückgegeben können, da es z.B. keine Übernachtungsmöglichkeiten für den Dienstwagenfahrer gibt und teilweise Ausgangssperren in den Regionen verhängt wurden“.
     
  4. Dieselanteil bei 80%: Bei den Pkw in Firmenfuhrparks herrscht nach wie vor mit 80% ein sehr hoher Dieselanteil. Benziner kommen auf 16%. Im Vergleich zum Vorjahr konnten diese um vier Prozentpunkte zulegen. Alternative Antriebe blieben bei einem Anteil von vier Prozent.
     
  5. Plug-In-Hybride klar vor rein batterieelektrischen Pkw: Fahrzeuge mit alternativen Antriebsarten sind in Firmenfuhrparks erst in geringen Stückzahlen vertreten. Die größte Gruppe bilden mit 49% die Plug-In-Hybride. 37% entfallen auf rein batterieelektrische Pkw. Die anderen alternativen Antriebsformen – Hybride ohne Plug-In, Gasantriebe und auch 48-Volt-Mildhybride (die eigentlich gar keine richtige alternative Antriebsart darstellen, da sie keinen einzigen Kilometer rein elektrisch fahren können) – liegen im einstelligen Bereich.
     
  6. Atypische Nutzung von Plug-In-Hybriden: Den Fuhrparkleitern wurde folgende Frage gestellt: „Glauben Sie, dass Plug-In-Hybride ausschließlich als Verbrenner gefahren d.h. nicht extern an einer Ladesäule und/oder zuhause aufgeladen werden?“ 47% und damit knapp die Hälfte der Fuhrparkleiter kann sich das vorstellen. Eigenen Angaben zufolge könnte etwa die Hälfte der Fuhrparkleiter (48%) über Tankkarten/entsprechende Software kontrollieren, ob Plug-In Hybride tatsächlich extern geladen oder als Verbrenner bewegt werden.
     
  7. Steuerliche Vorteile als Haupt-Anschaffungsgrund für Pkw mit alternativen Antriebsarten: 56% der Fuhrparkleiter gaben an, dass Pkw mit alternativen Antrieben vor allem wegen der steuerlichen Rahmenbedingungen in Erwägung gezogen werden. Auch in der Initiative der Dienstwagenberechtigten selbst sehen über 50% einen Grund. In ähnlich hohem Maße würde aber auch die Verbesserung der eigenen CO2-Bilanz als Anlass für die Beschaffung herangezogen. Die Fördermöglichkeiten über die BAFA sehen immerhin 32% als Beschaffungskriterium.

 

Kommentar Axel Schäfer, Geschäftsführer Bundesverband Fuhrparkmanagement e. V.: „In der aktuellen Ausnahmesituation ist es wichtiger denn je, dass das Fuhrparkmanagement handlungsfähig ist, die Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge muss gewährleistet bleiben. Genauso wichtig ist es, Planungen kurzfristig an Veränderungen anzupassen. Kann ein neu geordertes und notwendiges Fahrzeug nicht oder nicht sicher geliefert werden, dann kann es Sinn machen Leasingverträge zu verlängern, Poolfahrzeuge vorübergehend fest zuzuordnen oder auf Mietfahrzeuge auszuweichen. Allerdings sollte das so flexibel gestaltet sein, dass man seine Handlungsoptionen nicht unnötig beschneidet und ohne großen Aufwand in den Normalbetrieb schalten kann. Überraschend ist die Stagnation bei den alternativen Antrieben. Vor allem, da mit fast 50% Anteil die Plug-In-Hybride zu Buche schlagen, die leider eher eine Mogelpackung sind – sie werden überwiegend falsch genutzt. Die Erfahrung zeigt leider, dass Plug-In-Hybride so den Anforderungen an umweltschonendere Alternativen nicht gerecht werden und zusätzlich Investitionen in vollelektrische oder Erdgasfahrzeuge kanibalisieren. Der Umweltbonus und steuerliche Vorteile haben offensichtlich auch eingefleischte Nicht-Elektro-Nutzer dazu motiviert, zumindest die Vergünstigungen mitzunehmen und das Aufladekabel im Schrank zu lassen. Unternehmen müssen nach Nutzungsart entscheiden und sowohl ökologische wie auch betriebswirtschaftliche Kriterien berücksichtigen. Da in den Unternehmen die Langstrecke dominiert, ist der nach wie vor hohe Anteil an Dieselfahrzeugen nachvollziehbar und – wie Schadstoff-Messungen in der stark verkehrseingeschränkten Corona-Zeit offengelegt haben – auch nicht so umweltschädlicher wie ein Narrativ uns weismachen wollte.“  

 

Kommentar Reinhard Ott, Bundesverband der Autovermieter Deutschlands e.V.: „Die Buchungszahlen bei den Autovermietungen sind gerade nahezu in sich zusammengebrochen, da die sonst üblichen Touristen-Buchungen bei null liegen, Messen und andere Veranstaltungen ausfallen und insgesamt die Menschen weniger mit Pkw und Nutzfahrzeugen unterwegs sind. Auch bei längerfristigen Reservierungen gibt es viele Stornierungen. Umsatzeinbrüche in Höhe von 50% sind keine Seltenheit, teilweise liegen die Rückgänge bei bis zu 80%. Es gibt Vermieter, die nicht mehr wissen, wo sie die Fahrzeuge abstellen sollen. Normalerweise sind 80% aller Mietwagen permanent unterwegs. Nun liegt die Auslastung der Flotte bei unter 50% und manchmal noch weit tiefer. Die Kosten für den Betrieb der Unternehmen vor allem im Bereich der Fuhrparkkosten, der Unterhaltung von Gebäuden und Grundstücken und der Beschäftigung von Personal zur Betreuung von Kunden und zur Unterhaltung der Flotten laufen weitgehend ungemindert weiter auf. Unsere Unternehmen melden massive Umsatzeinbrüche. Eine Welle von Aufgaben und Insolvenzen vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen ist zu befürchten. Die Gegenbewegung privater Mieten wegen des Corona-Virus (der ÖPNV ist ausgedünnt, Ängste vor Ansteckung in Bussen und Bahnen, mehr Sicherheit im Mietwagen) kann das Minus nicht auffangen. Unsere Autovermieter weisen gleichzeitig darauf hin, dass das gewerbliche und das private Mieten eines Fahrzeuges für den Fluss von Gütern und Bewegungen von Personen (z.B. medizinisches Personal) von erheblicher und in der Krise steigender Bedeutung sind.“

 

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Über die DAT

Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) ist ein international tätiges Unternehmen der Automobilwirt-schaft, das umfassende Kraftfahrzeugdaten erhebt, ergänzt, erstellt, aufbereitet, strukturiert und dem Markt dann flächendeckend über unterschiedlichste Medien und Softwarelösungen zur Verfügung stellt.

Die DAT versteht sich als neutrales Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen der Automobilbranche und wird seit knapp 90 Jahren von ihren Gesellschaftern VDA, VDIK und ZDK getragen. Ein aus verschiedenen Verbraucherverbänden gebildeter Beirat überwacht die Aktivitäten und insbesondere die Wahrung der uneingeschränkten Neutralität der DAT im Sinne der privaten und gewerblichen Verbraucher.

 

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Über das aktuelle DAT-Barometer

Das DAT-Barometer ist eine Momentaufnahme aus primär- und sekundärspezifischen Daten des Automarkts. Fuhrparkleiterbefragung: Im Auftrag der DAT wurden 173 Interviews über TeleResearch durchgeführt (Feldzeit: 1.4.–14.04.2020). Da keine amtlichen Daten zur Anzahl und Struktur der Betriebe mit Fuhrparks vorliegen, handelt es sich um eine Trendstudie. Befragt wurden Fuhrparkleiter aus Industrie, Gewerbe, Handel und öffentlichem Dienst, die mindestens zwei Kriterien erfüllen: 1.) zuständig für das Fuhrparkmanagement, 2.) beteiligt oder zuständig bei der Auswahl und Steuerung etwaiger Fuhrparkmanagement-Dienstleister, 3.) beteiligt an der Frage der Pkw-Finanzierung.

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