DAT-Barometer analysiert Fahrzeugsegmente

Ein DAT-Barometer in Zeiten von Corona zu erstellen ist eine Herausforderung. Thematisch betrachten wir die Fahrzeugsegmente, zeitlich den Monat Februar und damit den letzten noch weitestgehend normalen Automobilmonat vor dem Einschnitt durch die Covid-19-Pandemie.

 

  • Neuwagenmarkt im Februar schwach, Gebrauchtwagen stabil
  • Skepsis bei der Betrachtung der alternativen Antriebe geboten
  • Hoher Anteil an gewerblichen Zulassungen
  • DAT-Segmentierung der SUV/Geländewagen nach Größe
  • Werte gebrauchter Diesel/Benziner verlaufen parallel

 

Ostfildern (26. März 2020) – Die Corona-Krise hat Deutschland und somit auch die Automobilbranche erreicht. Die Konsequenzen daraus sind heute noch nicht abzusehen. Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) arbeitet daran, diese Entwicklung in ihrem monatlichen DAT-Barometer zu beobachten, zu analysieren und mit Zahlen zu begleiten.

Im aktuellen DAT-Barometer steht allerdings der Monat Februar im Fokus und damit der letzte Monat vor der Corona-Krise. Thematisch wird hierbei ein Blick auf die Fahrzeugsegmente, darunter insbesondere das SUV- und Kompaktklassen-Segment, geworfen. Zudem stehen die Entwicklung der Neuzulassungen und Besitzumschreibungen sowie die Wertentwicklung der Fahrzeuge im Mittelpunkt der Analyse.

 

Hier die Ergebnisse im Überblick:

•           Neuzulassungen insgesamt im Minus, Elektro- und Plug-In-Pkw gestiegen: 486.243 Neuzulassungen zählte das KBA in den ersten beiden Monaten des Jahres 2020, 239.943 waren es im Februar. Damit liegen die Zahlen im Februar -11% unter dem Februar 2019 und kumuliert mit -9% deutlich unter dem Vorjahreszeitraum. Betrachtet man ausschließlich die reinen Elektro-Pkw und Plug-In-Hybride, so verzeichneten diese einen Anstieg. Im Januar und Februar wurden 15.646 neue Elektro-Pkw und 16.993 Plug-In-Hybride zugelassen. Gemessen an allen Neuzulassungen haben beide Antriebsarten damit einen Anteil von 6,7%.

•           Gebrauchtwagenmarkt stabil, Elektro- und Plug-In-Pkw noch auf geringem Niveau: In der Summe liegt der Gebrauchtwagenmarkt am Ende der ersten beiden Monate des Jahres 2020 mit 1.198.159 Einheiten 3,4% im Plus. Von allen Besitzumschreibungen wechselten 2.323 reine batterieelektrische Gebrauchtwagen und 2.357 Plug-In-Pkw den Besitzer / die Besitzerin. Der Marktanteil dieser beiden Antriebsarten liegt damit kumuliert bei 0,4 %.

•           Kompaktklasse im Februar am gefragtesten: Nach der KBA-Segmentierung standen bei den Neuzulassungen vor allem Pkw der Kompaktklasse hoch im Kurs der Interessenten. Mit 20,8% lagen sie vor den SUV (20,6%) und den Kleinwagen (14,8%). Addiert man die SUV und Geländewagen (10,1%), machen diese mit 30,7% Marktanteil fast ein Drittel aller Neuzulassungen aus.

•           Auffällig hohe Zahl alternativer Antriebe bei oberer Mittelklasse: Die 48-Volt-Technologie / Mildhybrid-Technologie setzt sich in unterschiedlichen Pkw-Segmenten durch und dient der Effizienzsteigerung beim Kraftstoffverbrauch. Je nach Hersteller wird diese Antriebsform auch „48 Volt Mildhybrid-System“ genannt. Es unterstützt den Verbrennungsmotor, ist aber nicht mit einem reinen batterieelektrischen Antrieb gleichzusetzen, denn ein Fahrzeug mit einem Mildhybrid-Antrieb ist nicht in der Lage, rein elektrisch zu fahren. Fahrzeuge mit Diesel- oder Benzinmotor, die über diese Technologie verfügen, werden in der KBA-Statistik anstatt zu den klassischen Antriebsarten zu den alternativen Antrieben gezählt. Am deutlichsten wird das aktuell bei der oberen Mittelklasse. Dort machen die alternativen Antriebe 59% aller neu zugelassenen Pkw aus. Aber auch die Oberklasse mit 47% Anteil alternativer Antriebe und die Mittelklasse mit 25% alternativen Antrieben zeigt, dass die Betrachtung der Antriebsart mit der notwendigen Sorgfalt vorgenommen werden muss. Ein klassisches Diesel-Segment bleiben die Reisemobile, ein klassisches Benziner-Segment die Minis, wobei auch hier mittlerweile 15% aller Pkw dieses Segments mit alternativen Antriebsarten zugelassen wurden.

•           Gewerbliche Zulassungen bei 67%: Über zwei Drittel der Neuzulassungen im Februar waren gewerbliche Zulassungen. Darunter fallen Fahrzeuge, die auf Unternehmen, den Kfz-Handel, Autobauer und Vermieter zugelassen wurden. Bezogen auf die Fahrzeugsegmente wurden besonders viele Pkw im Bereich der Oberklasse (86%), oberen Mittelklasse (82%) und Mittelklasse (82%) gewerblich zugelassen. Auch bei den Minis konnten im Februar 70% gewerbliche Zulassungen verzeichnet werden. SUV lagen mit nur 57% gewerblichen Zulassungen ähnlich wie Kleinwagen (60% gewerbliche Zulassungen) deutlich höher in der Gunst der privaten Käufer als andere Segmente. Das Segment der Wohnmobile erzielte einen Privatanteil von 74%.

•           SUV-Segmentierung der DAT: Die KBA-Unterscheidung zwischen SUV und Geländewagen führt zunehmend zu Diskussionen. Die große Modellvielfalt, die Antriebstechnik (nicht jeder SUV verfügt über einen Allradantrieb) und nur bedingte Geländetauglichkeit stehen ebenso auf dem Prüfstand wie die unterschiedliche Größe dieser Fahrzeuge. Die DAT hat deshalb sämtliche Modelle analysiert und eine neue Unterteilung in kleine SUV/Geländewagen (z.B. die aktuellen Modelle Opel Crossland X, Hyundai Kona etc.), Kompakt-SUV (z.B. die aktuellen Modelle BMW X1, Audi Q2 etc.), mittlere SUV/Geländewagen (z.B. die aktuellen Modelle Mercedes-Benz GLC, Opel Grandland X etc.) und große SUV/Geländewagen (z.B. die aktuellen Modelle Audi E-Tron, Ford Edge etc.) vorgenommen. Das zeigt einerseits die Komplexität dieses Segments, sie subsumiert aber auch alle bisher als Geländewagen bezeichneten Pkw in diese Klassifikation. Demnach gehören 10% aller im Februar neu in diesen Fahrzeugklassen zugelassenen (insgesamt wurden laut KBA 49.330 SUV und 24.135 Geländewagen neu zugelassen) zu den großen SUV/Geländewagen. Den weitaus größeren Anteil nehmen mit 40% die mittleren SUV/Geländewagen ein. Auf kleine und Kompakt-SUV/Geländewagen entfallen 50%.

•           Wertenwicklung der Gebrauchtwagen leicht gesunken: Die Werte der dreijährigen Gebrauchtwagen haben sich bereits Ende des Jahres 2019 stabilisiert. Zu Beginn des Jahres 2020 erzielten gebrauchte Benziner 56,3% des ehemaligen Listenneupreises, Diesel 52,1%. Damit sanken beide Fahrzeuggruppen jeweils um 0,1 Prozentpunkte zum Januar.

•           Kompaktklasse besser als der Durchschnitt: In der Kompaktklasse herrscht seit jeher ein hoher Anteil an Benzinern. Daher weisen die dreijährigen Benzin-Gebrauchtwagen mit aktuell 57,3% des ehemaligen Listenneupreises einen deutlich höheren Wert auf, als der Durchschnitt. Bei den vergleichbaren Diesel-Gebrauchtwagen dieses Segments liegt der Fahrzeugwert bei 51,9% und damit etwas unter dem Durchschnitt.

 

Jens Nietzschmann, DAT-Geschäftsführer: „In der öffentlichen Diskussion werden aktuell sämtliche Überlegungen über die voraussichtlich gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen der massiven Einschränkungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus nachrangig behandelt. Dennoch kann sich kein verantwortlich denkender Mensch der Frage verschließen, wie es wohl nach der Lockerung der staatlichen Maßnahmen in seinem persönlichen Umfeld und an seinem Arbeitsplatz weitergeht. Gerade vor dem Hintergrund der aktuell noch vorherrschenden Unklarheiten über die weitere Entwicklung der Pandemie sind auch von den Unternehmen in der automobilen Wirtschaft rasche und schmerzliche Entscheidungen zu treffen, um die Folgen der Deutschlandquarantäne zu überleben. Es ist allerdings auch keine Frage, dass dies - trotz diverser staatlicher Hilfen - nicht allen Unternehmen in unserer Branche ohne Blessuren oder auch größeren Schäden gelingen wird. Allen wünsche ich auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen bei der DAT gutes Gelingen, Standhaftigkeit und das immer notwendige Quäntchen Glück bei der Bewältigung der Krise. Vor allem aber beste Gesundheit und persönliches Wohlergehen.“

 

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Über die DAT

Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) ist ein international tätiges Unternehmen der Automobilwirt-schaft, das umfassende Kraftfahrzeugdaten erhebt, ergänzt, erstellt, aufbereitet, strukturiert und dem Markt dann flächendeckend über unterschiedlichste Medien und Softwarelösungen zur Verfügung stellt.

Die DAT versteht sich als neutrales Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen der Automobilbranche und wird seit knapp 90 Jahren von ihren Gesellschaftern VDA, VDIK und ZDK getragen. Ein aus verschiedenen Verbraucherverbänden gebildeter Beirat überwacht unter der Leitung des ADAC die Aktivitäten und insbesondere die Wahrung der uneingeschränkten Neutralität der DAT im Sinne der privaten und gewerblichen Verbraucher.

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Über das aktuelle DAT-Barometer

Das DAT-Barometer ist eine Momentaufnahme aus primär- und sekundärspezifischen Daten des Automarkts. Die Gebrauchtfahrzeugwerte entstammen dem Produkt „SilverDAT“, das Automobilbetrieben u.a. zur professionellen Wertermittlung von der DAT zur Verfügung gestellt wird. Die SUV-Segmentierung der DAT beruht auf Faktoren wie Länge, Radstand, Höhe etc.

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