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Aktuell

DAT Diesel-Barometer Juli 2017

Monatliche Darstellung der Faktenlage im Fahrzeughandel

DAT Diesel-Barometer Juli 2017

  • Barometer-Fokus im Juli liegt auf Fahrzeughandel und Fuhrparkbetreibern
  • Deutliche Zunahme der Standzeiten von Gebrauchtfahrzeugen mit Dieselmotor
  • Abverkäufe von Dieselfahrzeugen in alternative Vertriebskanäle stagniert
  • Fahrzeugwerte bei Dieseln im Vergleich zu Benzinern immer weiter unter Druck
  • Beratungsbedarf zunehmend verunsicherter Endverbraucher belastet Händler-Ressourcen
  • Händler fordern Kommunikationsoffensive der Hersteller zur Versachlichung der Diesel-Diskussion in den Medien
  • 90 % der Fuhrparkleiter großer Flotten setzen weiterhin auf den Diesel als Antriebsaggregat

 

Ostfildern (26. Juli 2017) – Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) hat aktuelle Zahlen zur Auswirkung der Diesel-Diskussionen auf den Automobilmarkt vorgelegt. Neben einer Analyse von Fahrzeugwerten und Standtagen stehen im aktuellen DAT Diesel-Barometer die Situation beim Automobilhandel und erstmals auch bei den Flottenbetreibern im Fokus der Betrachtung.

Für das aktuelle Diesel-Barometer wurden erneut verantwortliche Vertreter von über 400 Automobilbetrieben sowie zusätzlich knapp 180 Fuhrparkbetreiber befragt.

„Das Hin und Her bei den Fahrverboten sowie die weiterhin mehrheitlich negative und leider meist auch undifferenzierte Berichterstattung in den Medien über den Diesel und die daraus resultierende Verunsicherung der Endverbraucher belasten die Gebrauchtfahrzeugwerte inzwischen deutlich. Dies kann man an den durchschnittlichen Zahlen des Monats Juni ablesen, wobei hierbei regional zum Teil sehr deutliche Unterschiede berücksichtigt werden müssen. Während in den möglichen Fahrverbotsregionen überdurchschnittliche Abschläge auf die Preise von gebrauchten Dieseln in erheblichem Umfang verkraftet werden müssen, ist dies z.B. in ländlichen Gegenden kaum ein Thema. Wie wir aktuell sehen, wird sich der überproportionale Diesel-Wertverlust auch bei der bevorstehenden Rückbetrachtung des Monats Juli fortsetzen“, erklärt Jens Nietzschmann, DAT-Geschäftsführer Inland und Sprecher der Geschäftsleitung.

Die Ergebnisse des aktuellen Diesel-Barometers werden im Überblick wie üblich über die Website https://dieselbarometer.dat.de veröffentlicht. Hier werden auch die Grafiken zu den nachstehenden Textpassagen dargestellt.

Besitzumschreibungen und Neuzulassungen:

Die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes bestätigen für den Juni einen leicht rückläufigen bzw. stagnierenden Verlauf der Neuzulassungen und Besitzumschreibungen. Einzig die Benzin-Neuzulassungen sind gegenüber dem Vormonat leicht gestiegen.

Standzeiten und Situation beim Handel:

Die Standzeiten für gebrauchte Dieselfahrzeuge liegen inzwischen 16 Tage über dem Durchschnittswert von Fahrzeugen mit Benzinmotor. In Kombination mit den ebenfalls gestiegenen Standkosten von 27 Euro pro Tag und Pkw geraten die Margen der Händler weiter unter Druck. 10 % der Betriebe haben wegen der Entwicklung einen Einstellungsstopp für Mitarbeiter verfügt, oder sie mussten bereits Mitarbeiter entlassen. 35 % der Händler nutzen für den Verkauf alternative Vertriebskanäle wie Auktionen, Exporte oder Wiederverkäufer. Die Aufnahmefähigkeit dieser Marktsegmente ist allerdings begrenzt und außerdem mit erheblichen Nachlässen auf die Verkaufspreise verbunden. 43 % der Händler berichteten, dass die Bestelldauer von Neufahrzeugen mit Benzinmotoren zunimmt, was auf die noch nicht an die gestiegene Nachfrage angepassten Produktionskapazitäten in dem Bereich zurückzuführen ist.  

Fahrzeugwerte:

Für den Juni konnte die DAT ein weiteres Auseinanderdriften der Diesel- und Benzin-Fahrzeugwerte beobachten. Dreijährige Benzin-Gebrauchtwagen liegen derzeit bei 56,2 % des ehemaligen Listenneupreises, Diesel-Pkw 1,3 Prozentpunkte darunter. Jens Nietzschmann: „Die Auswirkungen der Veröffentlichungen des Nachrichtenmagazins ‚Der Spiegel‘ zum Thema Kartell-Verstöße sind aus den uns aktuell vorliegenden Marktdaten naturgemäß noch nicht ablesbar. Sollte es solche tatsächlich geben, werden diese frühestens Ende August deutlich, weil erst dann valide Mengen an Daten zu realen Abverkäufen zur Verfügung stehen. Wenn man allerdings berücksichtigt, mit welch erstaunlicher Härte die Automobilbetriebe die Diesel-Nackenschläge der vergangenen 22 Monate weggesteckt haben, darf man vorsichtig optimistisch sein, dass sich auch die Auswirkungen der erneuten Eskalation - entgegen der allgemeinen Erwartungshaltung - in Grenzen halten. Alles andere wäre auch ein Drama, würde es doch genau jene Marktbeteiligten existenziell treffen, die am wenigsten für die negative Entwicklung können aber gleichzeitig jeden Tag den größten Beitrag zur Beruhigung der Marktlage in Richtung Endverbraucher leisten.“

Beratungsleistung:

Eine zusätzliche Herausforderung für den Handel ist die Beratungsdauer zum Thema Diesel. 88 % der Händler müssen sich deutlich mehr Zeit nehmen, um ihre Kunden zum Thema Diesel zu beraten. Dies betrifft interessanterweise auch Kunden, die gar nicht die Absicht haben, einen Diesel zu kaufen, sondern im Gespräch mit dem Händler nur die aktuelle Diskussion in den Medien reflektieren wollen. Die durchschnittliche Dauer der Beratungen liegt bei ca. 25 Minuten im Schnitt pro Kunde je Verkäufer.

Alternative Antriebe:

Auffällig ist in diesem Zusammenhang die etwas gesunkene Nachfrage nach alternativen Antrieben. Etwas weniger als ein Drittel der Autohändler (31 %) berichtete, dass die Nachfrage nach Pkw mit alternativen Antrieben zugenommen habe. Dieser Wert lag im Mai noch bei 37 %.

Kommunikationsoffensive der Hersteller:

Ein klares Statement gaben die Händler zum Thema Kommunikationsoffensive der Hersteller und Importeure ab: 76 % sind der Meinung, dass eine gemeinsame Initiative zugunsten des Diesels eine Verbesserung der Gesamtsituation herbeiführen würde. 15 % verneinten dies, 9 % waren unschlüssig.

 

Exkurs Flotte

Ein wichtiger Faktor im Neuwagenmarkt sind neben den Zulassungen auf Privatkunden, Kfz-Handel, Autobauer und Vermieter auch die gewerblichen Zulassungen von Firmenfuhrparks. Die DAT hat hierzu erstmals in Kooperation mit dem Bundesverband Fuhrparkmanagement e.V. (BVF) eine Befragung bei Fuhrparkleitern durchgeführt.

Hier die Ergebnisse im Überblick:

Rolle des Diesels generell: Der Diesel spielt in den Fahrzeugflotten nach wie vor eine zentrale Rolle: 86 % der Fahrzeuge in Firmenfuhrparks sind nach Informationen der befragten Fuhrparkleiter Diesel-Pkw. Benziner spielen mit 11 % eine deutlich untergeordnete Rolle.

Einkaufskonditionen: Die Einkaufskonditionen beim Hersteller für Diesel-Pkw haben sich nach Informationen der Fuhrparkleiter zu 9 % verbessert, 79 % – und damit die große Mehrheit – bestätigten keine Veränderung.

Diesel-Bestellungen: Eine Abkehr vom Diesel in Firmenfuhrparks kann nicht festgestellt werden. 87 % der Fuhrparkleiter haben die Bestellungen von Diesel-Pkw nicht reduziert. Große Fuhrparks mit über 100 Fahrzeugen in der Flotte bestätigen das sogar zu 90 %. Unter Gesichtspunkten der Kosten und des CO2-Ausstoßes ist nach wie vor der Diesel die wichtigste Antriebsart. Fokussiert man nur diejenigen, die sich als Dienstwagenberechtigte ihre Fahrzeuge (unter Einhaltung der firmeninternen Richtlinien/der Fuhrpark-Policy) selbst aussuchen/konfigurieren dürfen, dann liegt der Wert dieser sog. User-Chooser immer noch bei 67 %.

Zukunft des Diesels: Kritisch sehen die Fuhrparkleiter dagegen die Zukunft des Diesels. 40 % aller Fuhrparkleiter glauben, dass die Bedeutung des Diesels im Vergleich zum Benziner abnehmen wird. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (55 %) stimmte der Aussage zu, dass mittelfristig vermehrt alternative Antriebe in der Pkw-Flotte geplant seien.

 „Im Interesse unserer Mitglieder werden wir ganz konkrete und nachvollziehbare Szenarien für den Einsatz der Dieseltechnologie in deutschen Fuhrparks entwickeln und eine erste Empfehlung für Fuhrparkbetreiber, die differenziert auf die verschiedenen Problematiken und Fragestellungen der unterschiedlichen Fuhrpark-Arten eingeht“, sagt Axel Schäfer, Geschäftsführer des BVF. Derzeit seien noch viele Fragen offen. „Es wird sich etwas tun – wir hoffen, dass sich die Hersteller auf innovative Weiterentwicklung der bestehenden alternativen Antriebe und vor allem den Ausbau der Infrastruktur konzentrieren, statt weiterhin auf die alte Welt zu setzen, die sie erfolgreich gemacht hat“, so Schäfer.

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Informationen für die Redaktionen

Experten-Arbeitskreis Diesel: Die DAT hat im April 2017 anlässlich des Diesel-Barometers einen Experten-Arbeitskreis Diesel ins Leben gerufen. Dieser trifft sich im zweimonatlichen Turnus, um die Ergebnisse der Befragungen zu analysieren. Er setzt sich zusammen aus Vertretern von Kfz-Händlern, aus Repräsentanten freier Automobilbanken und Prüforganisationen, aus DAT-Fachvertretern der Abteilungen Marktbeobachtung, Sachverständigenwesen, Unternehmenskommunikation sowie der Geschäftsleitung der DAT.

Zur Erhebung der Zahlen: Die Standzeiten und Wertverläufe ermittelt die DAT aufgrund der Transaktionspreise und Informationen, die vom Automobilhandel an die DAT übermittelt werden. Es handelt sich hierbei nicht um Angebotspreise in Internet-Fahrzeugbörsen, sondern um tatsächliche Gebrauchtwagen-Verkaufspreise vom Handel an Endverbraucher.

Für die Befragung des Handels (Juli 2017) wurde im Auftrag der DAT eine repräsentative Stichprobe von 417 Online-Interviews (CAWI: Computer Aided Web Interviews = Online-Befragung) über TeleResearch ausgewählt und ausgewertet (Feldzeit: 06.07. bis 16.07.2017). Die Gewichtung der Daten erfolgte nach Innungsmitgliedschaft, Händlertyp und Marke. Monatlich zeitversetzt erfolgt, ebenfalls im Auftrag der DAT, eine repräsentative Befragung der Endverbraucher (Pkw-Kaufplaner) über die GfK via CAWI. Die Gewichtung der Daten erfolgt nach KBA-Fahrzeugbestand: Pkw-Marke und Motorart aktuell in Besitz; Alter und Geschlecht entsprechen repräsentativ dem Bestand.

Für die Befragung der Fuhrparkleiter in Kooperation mit dem Bundesverband Fuhrparkmanagement e.V. wurden 178 Fuhrparkleiter befragt. Diese gehören zu Betrieben aus Industrie, Gewerbe, Handel und öffentlichem Dienst und müssen mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllen: 1.) zuständig für das Fuhrparkmanagement, 2.) beteiligt oder zuständig bei der Auswahl und Steuerung etwaiger Fuhrparkmanagement-Dienstleister, 3.) beteiligt an der Frage der Pkw-Finanzierung. Da keine amtlichen Daten zur Anzahl und Struktur der Betriebe mit Fuhrparks vorliegen, handelt es sich um eine Trendstudie. Deren Aussagen dürften für ähnlich aufgestellte Betriebe mit Pkw-Flotten, wie sie im Bundesverband Fuhrparkmanagement organisiert sind, gelten. Feldzeit: 21. Juni bis 4. Juli 2017.

Die Marktzahlen zu Neuzulassungen und Besitzumschreibungen übernimmt die DAT vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg, die monatlich publiziert werden. (www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/fahrzeuge_node.html)

Das DAT Diesel-Barometer wird monatlich aktualisiert und online auf https://dieselbarometer.dat.de publiziert.

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Über die DAT

Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) ist ein international tätiges Unternehmen der Automobilwirtschaft, das gemäß ihrem Auftrag umfassende Kraftfahrzeugdaten erhebt, aufbereitet und der Branche insbesondere über das System SilverDAT® kostengünstig und flächendeckend zur Verfügung stellt.

Die DAT versteht sich als neutrales Bindeglied zwischen allen Akteuren der Automobilbranche und wird seit über 85 Jahren von ihren Gesellschaftern VDA, VDIK und ZDK getragen. Aufgrund dieser Struktur hat die DAT einen einzigartigen Status sowie einen besonderen Auftrag innerhalb der Automobilbranche.

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