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Aktuell

DAT Diesel-Barometer April 2018

Situation beim Automobilhandel nach Leipziger Urteil.

DAT Diesel-Barometer April 2018

Diesel-Dilemma beim Automobilhandel spitzt sich zu

  • Beratungsaufwand des Handels erreicht vorläufigen Höhepunkt
  • Leipziger Diesel-Urteil schafft zusätzliche Verwirrung bei Kunden
  • 22 Prozent der Händler nehmen keine Diesel-Gebrauchtwagen mehr in Zahlung
  • 61 Prozent bilden Rückstellungen wegen drohender Verluste durch Wertminderung
  • Bei den Gebrauchtwagen werden vor allem Euro-5-Diesel deutlich seltener nachgefragt

 

Ostfildern (24. April 2018) – Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) hat das aktuelle DAT Diesel-Barometer publiziert. Basis ist eine repräsentative Befragung beim Automobilhandel, angereichert mit Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) und mit Ergebnissen der DAT-Marktbeobachtung.

„Unser aktuelles Diesel-Barometer offenbart sehr deutlich das Dilemma, in dem sich der Automobilhandel derzeit befindet“, erklärt Jens Nietzschmann, Geschäftsführer Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) und Sprecher der Geschäftsleitung. „Eigentlich ist seit jeher der März der dynamische Auftakt eines Automobiljahres mit steigenden Neuwagenverkäufen und Besitzumschreibungen. Zwar ziehen auch in diesem Jahr die Neuwagenzahlen an, aber die Lage auf dem Gebrauchtwagenmarkt hat sich für den Handel gegenüber dem Vorjahr deutlich verschlechtert.“

Hier die Ergebnisse im Überblick:

 

  • Gebrauchte und neue Diesel-Pkw deutlich unter Vorjahr: Die Auswertung der KBA-Zahlen zu den Besitzumschreibungen nach Diesel- und Benzinantrieb zeigt das Ausbleiben der Frühjahrsbelebung auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Unter anderem wurden mehr neue Benziner zugelassen, als gebrauchte Diesel-Pkw gehandelt.

  • Anteil an Diesel-Gebrauchtwagen mit Euro-6-Motoren steigt: Die Analyse der Besitzumschreibungen nach Schadstoffklassen zeigt zum Vorjahresmonat einen deutlichen Rückgang der Pkw mit Euro-5-Motor (-26 %) und einen Anstieg der Euro-6-Dieselgebrauchtwagen (+2 %). Im März 2018 lagen die Anteile der Fahrzeuge mit Euro-4 und niedriger (36 % aller Besitzumschreibungen) nur noch knapp über den Euro-6-Dieselgebrauchtwagen (35 %).

  • Handel beklagt deutlich gesunkenes Interesse an Diesel-Pkw, das betrifft erstmals auch die Gewerbekunden: Waren es im Mai 2017 noch 29 Prozent der Händler, die weniger Diesel-Neuwagen an Gewerbekunden verkauft haben, beklagten dies aktuell 58 Prozent. Bei den Privatkunden stellt sich die Entwicklung noch drastischer dar: Je 86 Prozent der Händler gaben im April 2018 zu Protokoll, sie hätten weniger gebrauchte und neue Diesel-Pkw an Endverbraucher verkauft.

  • Standkosten weiterhin bei 28 Euro: Gebrauchte Diesel-Pkw kosten den Handel pro Tag und Fahrzeug 28 Euro im Schnitt. Diese Zahl ist auch im April konstant geblieben.

  • Diesel-Gebrauchtwagen stehen derzeit 103 Tage: Bevor gebrauchte Diesel-Pkw verkauft werden, verweilen sie im Schnitt 103 Tage auf den Gebrauchtwagenplätzen der Händler. Nach dem Höchststand von 110 Tagen im November 2017 ist das in diesem Jahr der neue negative Rekordwert. Vergleichbare Benziner verkaufen sich derzeit nach 85 Tagen.

  • Umweltprämien führen zwar zum Verkauf von mehr Benzinern, alternative Antriebe entwickelten sich jedoch rückläufig: Gefragt nach den Auswirkungen der Umweltprämie gaben 69 Prozent aller Händler an, sie hätten mehr Benzin-Neuwagen verkauft. Mehr moderne Euro-6-Diesel seien nur von 16 Prozent der Händler verkauft worden, gesunken seit der letzten Befragung im November ist die Nachfrage nach alternativen Antrieben: Nur 17 Prozent bestätigten, sie hätten wegen der Umweltprämie der Hersteller mehr neue Pkw mit alternativen Antrieben verkauft.

  • 22 Prozent der Händler lehnen Diesel-Inzahlungnahmen ab: Die Realität beim Handel lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: 87 Prozent können Diesel-Gebrauchtwagen nur noch mit höheren Abschlägen verkaufen. 57 Prozent der Händler geben deutlichere Nachlässe auch auf Diesel-Neuwagen. 87 Prozent nehmen Diesel-Pkw zu niedrigeren Preisen in Zahlung, 22 Prozent lehnen sie sogar ganz ab. 61 Prozent bilden Rückstellungen für drohende Verluste, 29 Prozent limitieren, sofern möglich, die Neubestellungen von Diesel-Pkw mit ihren gewerblichen Kunden. 60 Prozent aller Händler verkaufen Diesel-Pkw über andere Kanäle (z. B. über Auktionen, über andere Händler etc.).

  • Hoher Beratungsaufwand und Verunsicherung beim Kunden: Die Situation nach dem Urteil in Leipzig hat keine Klarheit gebracht. 93 Prozent aller Händler gaben bei der Befragung an, dass Urteil in Leipzig habe zu noch mehr Verunsicherung bei ihren Kunden geführt. Hinzu kommen die Unklarheiten bei den diversen Euro-6-Normen: 81 Prozent der Händler bestätigten, dass die Kunden vermehrt nach den unterschiedlichen Euro-6-Normen fragen würden. Insgesamt haben 95 Prozent aller Händler einen deutlich höheren Beratungsaufwand mit ihren Kunden und Kaufinteressenten rund um das Thema Diesel.

  • Gebrauchtfahrzeugwerte von Diesel-Pkw weiter gesunken: Mit 53,4 Prozent des ehemaligen Listenneupreises lagen dreijährige Diesel-Gebrauchtwagen im März etwas unter dem Vormonat (53,5 %), aber deutlich unter dem Vorjahresmonat (55,7 %).

„Nach dem ‚Diesel-Urteil‘ sind die Diesel-Besitzumschreibungen im März im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich zurückgegangen – und zwar um 16,9 Prozent. Betrachtet man nur die Euro-5-Fahrzeuge, so lag deren Rückgang auf dem Gebrauchtwagenmarkt sogar bei 26 Prozent. Dies bedeutet zwar nicht, dass die Gebrauchtfahrzeugwerte der Fahrzeuge nun automatisch in den Keller gehen, es wird aber ohne Zweifel negative Konsequenzen auf die Entwicklung der Standtage haben, welche schon jetzt bei durchschnittlich 103 Tagen liegen. Eine Multiplikation mit den durchschnittlichen Standkosten von 28 Euro pro Tag macht deutlich, dass die Händler aktuell überhaupt keine Chance haben, bei der Vermarktung von Diesel-Gebrauchtfahrzeugen auch nur ihre Kosten zu decken. Für eine solch negative Entwicklung können Automobilbetriebe mit einer durchschnittlichen Rendite von 1,6 % kaum eine stabile Vorsorge in ihren Bilanzen treffen. Sie werden deshalb auf Unterstützungsleistungen von ihren Herstellern, Importeuren oder der Politik angewiesen sein, um nicht in eine wirtschaftliche Schieflage zu gelangen“, erklärt Jens Nietzschmann.

Werner Entenmann, geschäftsführender Gesellschafter Autohaus Entenmann und Mitglied des DAT-Expertenarbeitskreises Diesel: „Wir achten sehr genau auf unsere Standtage, verzichten damit aber auch auf Geld beim GW-Geschäft. Auffällig ist: Das in den Medien aufgebauschte Euro-5-Thema ist in den Verkaufsgesprächen kaum noch relevant. Den Interessenten sind andere Ausstattungsmerkmale wichtiger. Zudem kommen kaum noch Euro-5-Diesel zu uns zurück. Abschließend beobachten wir, dass Feinstaub seltener angesprochen wird.“

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Über die DAT

Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) ist ein international tätiges Unternehmen der Automobilwirtschaft, das umfassende Kraftfahrzeugdaten erhebt, ergänzt, erstellt, aufbereitet, strukturiert und dem Markt dann flächendeckend über unterschiedlichste Medien zur Verfügung stellt. Die DAT versteht sich als neutrales Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen der Automobilbranche und wird seit über 87 Jahren von ihren Gesellschaftern VDA, VDIK und ZDK getragen. Ein aus verschiedenen Verbraucherverbänden gebildeter Beirat überwacht unter der Leitung des ADAC die Aktivitäten und insbesondere die Wahrung der uneingeschränkten Neutralität der DAT im Sinne der privaten und gewerblichen Verbraucher.

 

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Über das DAT Diesel-Barometer

Das DAT Diesel-Barometer ist eine Momentaufnahme aus primär- und sekundärspezifischen Daten des Automarkts. Die Wertverläufe und Standzeiten ermittelt die DAT aufgrund der Transaktionspreise und weiterer Informationen, die vom Automobilhandel an die DAT übermittelt werden. Es handelt sich hierbei nicht um Angebotspreise in Internet-Fahrzeugbörsen, sondern um tatsächliche Gebrauchtwagen-Verkaufspreise vom Handel an Endverbraucher.

Für die Befragung beim Handel (April 2018) wurde im Auftrag der DAT eine repräsentative Stichprobe von 698 Online-Interviews (CAWI) über TeleResearch durchgeführt (Feldzeit: 23.03.2018 bis 09.04.2018). Die Gewichtung der Daten erfolgte nach Innungsmitgliedschaft, Händlertyp und Marke. Zeitversetzt erfolgt, ebenfalls im Auftrag der DAT, eine repräsentative Befragung bei Endverbrauchern (Autokaufplanern) über die GfK.

Die Marktzahlen zu Neuzulassungen und Besitzumschreibungen stammen vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg, die monatlich der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. (www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/fahrzeuge_node.html)

Das DAT Diesel-Barometer wird seit April 2017 auf https://dieselbarometer.dat.de publiziert.

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